Wochenkommentar: Handelskonflikt hält Märkte in Atem

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In der vergangenen Woche ging es an den Märkten erneut hoch her; Auslöser für die Turbulenzen waren vor allem die Angst vor einem Handelskrieg und Probleme im Technologiesektor. Trotz des „Wie Du mir, so ich Dir“-Schlagabtauschs zwischen den USA und China halten wir die Angst vor einem Handelskrieg nach wie vor für überzogen.

Die Akteure rüsten zwar rhetorisch auf, und die Märkte reagieren darauf, aber die Zölle sind nach wie vor nur Vorschläge. Aus US-Seite läuft die Konsultationsphase bis mindestens 22. Mai; und China sagt, die Umsetzung ihrer eigenen Maßnahmen hänge vom Handeln der USA ab. Das heißt, bis tatsächlich Zölle umgesetzt werden, wird noch einige Zeit vergehen. Wir halten das, was momentan stattfindet, für die Anfangsphase von Handelsverhandlungen, die letztlich zu einer verwässerten Version der aktuellen Vorschläge führen werden.

Die jüngsten Inflationsdaten für die Eurozone sind wenig beeindruckend, wenngleich in gewissem Maße Aufwärtsdruck zu verzeichnen war. Der stärkste Inflationstreiber, das Lohnwachstum, ist nach wie vor schwach.

Die Aktienmärkte dürften noch einige Zeit volatil bleiben, bevor sie sich wieder stabilisieren, und an den Anleihemärkten sind Anzeichen für Risikoscheu zu sehen, die mit der Angst vor einem Handelskrieg und Sorgen im Hinblick auf die Entwicklung von Technologieaktien zu tun haben. Die Rendite auf deutsche Staatsanleihen ist wieder auf rund 0,50 % gefallen.

Trotz der Marktturbulenzen ist das Investmentkomitee der Bethmann Bank der Meinung, dass die zugrunde liegenden Fundamentaldaten nach wie vor gut sind: Das Wirtschaftswachstum ist immer noch positiv, die Inflation ist niedrig, und die Zentralbanken gestalten ihre Rückkehr zu normaleren Zinssätzen sehr vorsichtig. Risikobehaftete Anlagen wie Aktien erhalten von den Investoren weiterhin den Vorzug vor Anleihen.

Selektives Potenzial an den Anleihemärkten

Vor dem Hintergrund nervöser Aktienmärkte und rückläufiger Frühindikatoren, insbesondere in Europa, wurden deutsche und amerikanische Staatsanleihen in der vergangenen Woche weiter als sichere Häfen angesteuert. Die Rendite auf 10-jährige Bundesanleihen liegt wieder bei 0,50 % und bewegt sich damit am oberen Ende der Spanne, in der sie den Großteil des Jahres 2017 gehandelt wurde. Wir rechnen damit, dass die Frühindikatoren wieder positiver werden, wenn sie sich auf ein nachhaltigeres Niveau eingestellt haben. Dieser Ausblick basiert auf einer positiven Einschätzung des weiteren Wirtschaftswachstums. Dann werden die Renditen wieder auf und über das Niveau klettern, das sie Mitte Februar erreicht hatten. Deshalb bleiben wir in unserer Durationspolitik, das heißt bei der Zinsabhängigkeit unseres Anleiheportfolios, vorsichtig.

Staatsanleihen aus Peripherieländern entwickelten sich vergangene Woche erneut gut und setzten damit ihre starke Performance seit der Wahl in Italien fort. Zwar übernehmen bei den Gesprächen zur Regierungsbildung immer stärker die Populisten die Führung, aber das kann die Anleiheinvestoren im aktuell konstruktiven politischen und wirtschaftlichen Umfeld in Europa nicht schrecken.

Die Risikoprämien auf Unternehmensanleihen sind in den vergangenen Wochen stetig gestiegen und liegen jetzt 25 Basispunkte über dem Tief von Anfang Februar. Da dieses Tief nach unterschiedlichen historischen Standards sehr niedrig war und die EZB bald das Ende ihres Anleihekaufprogramms ankündigen dürfte, rechnen wir nicht damit, dass die Renditeabstände auf dieses Niveau zurückkehren. Die Finanzmärkte sind auf dem Weg der Normalisierung. Somit dürften Volatilität und Risikoprämien ein normaleres wirtschaftliches Umfeld spiegeln.

Die riskanteren Bereiche des Anleihemarkts, nämlich Hochzinstitel und Schwellenmarktschuldtitel, haben im Vergleich zum Markt für Unternehmensanleihen weniger verloren. Das lässt uns darauf schließen, dass der Markt für Unternehmensanleihen aufgrund von marktspezifischen Faktoren eine Trendwende erlebt, und dass die Marktentwicklung nicht das Ende des Konjunkturzyklus signalisiert.

Unsicherheit an den Aktienmärkten

Anfang der Woche ging es an den Aktienmärkten nach unten, weil die Aktien von Onlinehändlern und Sozialen Medien an Wert verloren. Doch als sich die Angst vor einem Handelskrieg wieder etwas legte, erholte sich der Markt wieder auf das Niveau des Schlusskurses der Vorwoche.

 
Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung. 


Foto: g0d4ather / Shutterstock.com

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