Wochenkommentar: Gewinnsträhne

Aktuelle Nachricht -

Das weltweite Wachstum übertrifft die Erwartungen und gewinnt an Dynamik. Die Aktienmärkte sind leicht gestiegen. Der S&P-500-Index erreichte am Donnerstag ein weiteres Hoch und markierte damit seine längste Aufwärtsphase seit Mitte 2013.

Die Aktienmärkte sind in der vergangenen Woche weiter gestiegen und spiegeln die positive Stimmung in den Bereichen Fertigung und Industrie sowohl in den USA als auch in China wider. 

In Europa hat die Unsicherheit nach dem schwer umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien am vergangenen Sonntag eine ähnlich gute Stimmung allerdings getrübt. Vorerst rechnen wir nicht mit erheblichen regionalen oder globalen Auswirkungen. International tätige europäische Unternehmen konnten an Boden gutmachen, weil die Stärke des Euros nachgelassen hat.

In den USA herrscht Unsicherheit in Bezug auf den von Präsident Trump und der Republikanischen Partei vorgeschlagenen Steuerplan. Beobachter rechnen damit, dass der Steuerplan die Gewinne der amerikanischen Unternehmen steigen lässt; dabei reichen die Schätzungen von einem Plus zwischen 7 und 12 % insgesamt bis zum Doppelten dieser Spanne für mittelständische Unternehmen. Größer ist die Unsicherheit allerdings in Bezug auf die Frage, wie die Republikaner die Steuersenkungen finanzieren wollen. Das ist keine Kleinigkeit, wenn man bedenkt, dass die aggressivsten Defizitbekämpfer bei den Republikanern selbst zu finden sind.

Aus Sektorperspektive verzeichneten Finanz- und Energieaktien weiterhin Kursgewinne, während defensivere Sektoren wie Versorger und Telekomunternehmen etwas hinterherhinkten. US-amerikanische Öl- und Raffinerieaktien haben sich gut entwickelt, und europäische Industriewerte sind merklich gestiegen, nachdem die deutschen Automobilhersteller endlich aus dem dunklen Schatten des Dieselskandals herauszutreten scheinen.

Auch die asiatischen Märkte scheinen nach der jüngsten Delle wieder Fahrt aufzunehmen, weil die politische Unsicherheit in Asien in den Hintergrund gerückt ist. Alles in allem scheinen die globalen Märkte insbesondere von positiven Wirtschaftsdaten zu profitieren, denn von Unternehmensseite gibt es vor der Berichtssaison für das dritte Quartal, die in zwei Wochen beginnt, nur begrenzt Neuigkeiten.


Anleihemarkt-Update

Die Renditen auf 10-jährige Bundesanleihen und US-Treasuries haben sich vergangene Woche bei 45 beziehungsweise 233 Basispunkten seitwärts entwickelt. Auch die Risikoaufschläge bei europäischen Unternehmensanleihen haben sich nicht groß bewegt, was an den Anleihemärkten zu einer insgesamt relativ ruhigen Woche geführt hat.

Die Aufmerksamkeit der Investoren richtete sich auf Gerüchte um die künftige Führung der Federal Reserve in den USA. Kevin Warsh, ein ehemaliges Mitglied des Board of Governors der Fed, der bereits mehrfach Unterstützung für die Politik von Präsident Trump geäußert hat, scheint gute Chancen zu haben, der nächste Chef der US-Notenbank zu werden. Warsh ist ein lautstarker Gegner des Anleihekaufprogramms der Fed. Dies könnte die Erwartung eines restriktiven geldpolitischen Schwenks nähren, sollte Warsh neuer Fed-Chairman werden.

Auf politischer Seite drohen den Märkten allem Anschein nach keine unmittelbaren Risiken, die Marktteilnehmer könnten im letzten Quartal 2017 aber mit einer anhaltenden Unsicherheit zurechtkommen müssen. Der Konflikt zwischen Spanien und Katalonien hat sich intensiviert. In der Folge sind die Renditen auf spanische Staatsanleihen gestiegen, wenngleich sie immer noch unter ihrem Niveau des ersten Halbjahrs liegen. Die Ratingagentur S&P warnte, die Unabhängigkeitsbemühungen erforderten eine neuerliche Prüfung der Kreditwürdigkeit Kataloniens, aus der sich eine Ratingherabstufung ergeben könnte. Überraschenderweise war die Nachfrage nach neuen spanischen Staatsanleihen, die nach dem Referendum emittiert wurden, recht hoch.

In Deutschland dürften die Sondierungsgespräche zwischen der CDU von Kanzlerin Merkel, den Liberalen und den Grünen offiziell nicht vor der Landtagswahl in Niedersachsen am 15. Oktober beginnen. Niedersachsen ist in erheblichem Umfang im Bundestag, dem Oberhaus des deutschen Parlaments, vertreten. Wir rechnen unter einer von Merkel geführten Regierung indes nicht mit größeren Änderungen der deutschen Europapolitik.


Makro-Update

Das weltweite Wirtschaftswachstum hat dieses Jahr die Erwartungen übertroffen, in manchen Fällen sogar erheblich. Mit der Wachstumsdynamik stieg auch die Erwartung, dass ein Höhepunkt und im Anschluss eine Korrektur kurz bevorstehen. Doch dazu ist es bislang nicht gekommen. Im Gegenteil: Das weltweite Wachstum scheint weiter Fahrt aufzunehmen.

Der Economic Sentiment Indicator (ESI) der Europäischen Kommission, ein breiter Index für die Stimmung in unterschiedlichen Wirtschaftssektoren und bei den privaten Haushalten, ist im September weiter gestiegen und erreichte den höchsten Stand seit mehr als zehn Jahren. Das deutet darauf hin, dass das BIP-Wachstum der Eurozone leicht beschleunigen dürfte.

In den USA ist die Lage etwas komplizierter. Einige, wenn auch nicht alle regionalen Geschäftsklimaindizes sind im Lauf des Jahres etwas zurückgegangen. Die Geschäftsklimaindizes für Dallas, Richmond und Kansas wiesen dieses Jahr ein ähnliches Muster auf, und alle drei sind nach den in den vergangenen Tagen veröffentlichten Zahlen gestiegen. Der Chicago-Einkaufsmanagerindex, der dieses Jahr keine Schwäche zeigte, setzte seine starke Entwicklung mit den jüngsten Zahlen ebenfalls fort. Dies deutet darauf hin, dass das Wirtschaftswachstum in diesen Regionen wieder anzieht.

Wirtschaftsdaten sind aber selten völlig eindeutig. Einer Reihe von guten Daten stehen in der Regel auch einige schwache Zahlen gegenüber. Das ist auch jetzt der Fall. Während der ESI der Europäischen Kommission seinen Aufwärtstrend fortsetzt, fiel der viel beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex von 115,9 im August auf 115,2 im September. Es war der zweite monatliche Rückgang in Folge. Das müssen wir genau im Auge behalten. Dass der Ifo-Index und der ESI der Kommission auseinanderlaufen ist ungewöhnlich. Es ist nicht davon auszugehen, dass dies von Dauer ist ...


Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: ImageFlow / Shutterstock.com

Diesen Artikel empfehlen

Was können wir für Sie tun?

Kontaktieren Sie uns.