Wochenkommentar: Fed überrascht, Merkel gewinnt

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Zentralbanken sind weltweit zwischen Wachstum und niedriger Inflation gefangen. Dennoch vermittelt die US-Notenbank Fed einen zuversichtlichen Eindruck bei ihrer September-Sitzung.

Unterdessen senkt die Ratingagentur S&P die Bonitätseinstufung Chinas um eine Stufe. In Deutschland setzt sich Kanzlerin Merkel gegen Herausforderer Schulz durch.

Makro-Update
In den USA beschloss die Federal Reserve (Fed) auf ihrer September-Sitzung am vergangenen Mittwoch, ab Oktober ihre Bilanz zu verkürzen, indem sie nach und nach die Reinvestition fällig werdender Wertpapiere reduziert. Im Juni hatte die Fed bereits detailliert dargelegt, wie dieser Prozess ablaufen soll. Demnach soll die Bilanz bis Ende des nächsten Jahres um mehr als USD 400 Mrd. schrumpfen. Sowohl die Entscheidung, nächsten Monat mit der Bilanzverkürzung zu beginnen, als auch die Durchführungsstrategie entsprechen den Erwartungen.

Die Geldpolitiker im Offenmarktausschuss der Fed beschlossen außerdem, den Zielkorridor für die Fed Funds Rate, den amerikanischen Leitzins, bei 1,00 bis 1,25 % zu belassen. Gleichzeitig sind die Ausschussmitglieder im Mittel weiterhin der Meinung, dass die Zielspanne dieses Jahr noch um weitere 25 Basispunkte und nächstes Jahr um 75 Basispunkte steigen wird, was ihre im Juni geäußerte Einschätzung bestätigt.

Beim mittelfristigen Inflationsausblick bleibt die Fed trotz des jüngst schwachen Trends optimistisch. Die unveränderten Prognosen für die Entwicklung der Fed Funds Rate deuten darauf hin, dass die Fed stärker zu einer Zinserhöhung neigt, als es die Märkte erwartet hatten. Dies führte zu einem Anstieg der Renditen auf US-Treasuries, denn die Finanzmärkte korrigierten die zu erwartende Entwicklung der kurzfristigen Zinsen nach oben.

Wir sind etwas überrascht, dass die Fed den mittelfristigen Inflationsausblick nach wie vor so zuversichtlich beurteilt und die Zinsen dieses Jahr noch einmal anheben will. Wir bleiben bei unserer Einschätzung, dass die Fed mit der nächsten Zinserhöhung bis März 2018 warten wird, denn der Inflationstrend könnte weiterhin enttäuschen. Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung noch in diesem Jahr eindeutig gestiegen.

Merkel gewinnt, doch weniger Eintracht im Parlament
In Deutschland endet die Bundestagswahl mit kleinen Überraschungen, wenn auch der Wahlsieg von Angela Merkel im Vorfeld erwartet wurde. Die Kanzlerin darf zu einer vierten Legislaturperiode starten, doch verfügt sie zukünftig über weniger Unterstützung. Zwar vereinen CDU/CSU die höchste Anzahl von Parlamentssitzen auf sich, doch ihr Anteil sank auf das schlechteste Ergebnis seit 1949 ab. Beunruhigend wirkt die zunehmende Zersplitterung des Parlaments. Die AfD zieht erstmals mit einem Stimmenanteil von 13% in den Bundestag ein. Auch der FDP gelingt mit einem Stimmenanteil von 10,7% der Wiedereinzug in die Volksvertretung. CDU/CSU und SPD hingegen geben 9% bzw. 5,5% Stimmenanteil ab und kommen auf 33% bzw. 20,5%.

Für Merkel wird die Koalitionsbildung zur Herausforderung. Zwar bietet sich theoretisch die Fortführung der großen Koalition mit der SPD an, doch hat der bisherige Koalitionspartner die Absicht bekundet in die Oppositionsrolle zu gehen. Verhandlungen über einen Wiedereintritt in die große Koalition dürften sich als lange und zäh erweisen. Da die SPD darüber hinaus im politischen Spektrum zunehmend nach links gerückt ist, hätte dies Auswirkungen auf die zukünftige Regierungsarbeit.

Denkbar wäre hingegen auch eine Regierungskoalition aus CDU/CSU, der FDP und Bündnis90/die Grünen – die sogenannte Jamaika-Koalition. Doch die Vorstellungen der einzelnen Parteien in der Umwelt-, der Flüchtlings- und der Steuerpolitik liegen weit auseinander. FDP und Bündnis90/die Grünen haben bereits die Schwierigkeiten von möglichen Koalitionsverhandlungen betont.

Bundestagswahl: Implikationen für Anleger
Es ist damit zu rechnen, dass eine Regierungsbildung, angesichts der Wahlergebnisse, länger als gewöhnlich dauern könnte. Die Landtagswahlen in Niedersachsen am 15. Oktober könnten die Koalitionsverhandlungen zusätzlich verzögern. In der Folge bleibt Unsicherheit bestehen.

Märkte reagieren verhalten
Das Wahlergebnis hätte das Potenzial gehabt, die Kapitalmärkte leicht zu verunsichern und eine Reduzierung der Risikoneigung von Anlegern zu fördern. Insbesondere, da weitere Unsicherheitsfaktoren, wie der US/Nordkorea-Konflikt und das Unabhängigkeitsreferendum im spanischen Katalonien die Tagesmeldungen dominieren. Doch zum Wochenauftakt bleiben die Marktreaktionen gering. Die Euro-Währung und die Bund-Renditen bleiben stabil und auch die europäischen Aktienmärkte eröffnen unbeeindruckt.

Ausgeprägte, negative Marktreaktionen sind aus dem Ergebnis der deutschen Bundestagswahl nicht zu erwarten. So zeigt sich die Stabilität der Demokratie in Deutschland als nicht gefährdet. Volkswirtschaftliche Entwicklungen und die Lage im Unternehmenssektor verdeutlichen Stärke. Kurzfristige Effekte auf die Wachstumsperspektive der Eurozone oder das Gewinnwachstum der Unternehmen sind nicht zu erwarten.

In der Folge bevorzugen wir innerhalb unserer Aktienstrategie weiterhin Europa (und die Schwellenländer) gegenüber den USA. So profitieren die genannten Märkte von einem synchronen weltweiten Aufschwung, der geringen Inflationsentwicklung und einem guten Gewinnwachstum.

China-Update
Die Ratingagentur S&P setzte Chinas langfristige Bonitätseinstufung (mit Transferrisikoverrechnung/Foreign Currency Rating) von AA- auf A+ herab und änderte den Ausblick von negativ zu stabil. Damit stimmt S&P in der Einschätzung jetzt mit den Ratingagenturen Moody's und Fitch überein; inzwischen haben alle drei Agenturen für China wieder einen stabilen Ausblick. S&P verwies darauf, dass die lange Phase mit einem starken Kreditwachstum die wirtschaftlichen und finanziellen Risiken verschärft habe. 

Die Ratingänderung kommt nicht völlig überraschend, denn S&P hatte im März 2016 bereits den Ausblick auf negativ herabgesetzt, Moody's nahm im vergangenen Mai eine ähnliche Ratingänderung vor. Wir haben außerdem auf die wachsende Verschuldung der chinesischen Unternehmen hingewiesen (die im März 2017 auf knapp 260 % des BIP angestiegen war), weil die Verschuldung weiterhin schneller wächst als die Wirtschaft. Der laufende Schuldenaufbau birgt auf längere Sicht das Risiko eines drastischen Rückgangs der Wachstumsraten, sollte es zu einem ungeordneten Abbau der Schulden kommen.

In unserer Zwei-Jahres-Prognose rechnen wir nicht mit einer systemischen Krise oder einer harten Landung; dies liegt zum Teil daran, dass Chinas Auslandsschulden gemessen an anderen Schwellenländern gering sind. Zudem ist die Sparquote des Landes hoch, und die externen Puffer sind nach wie vor stark.

Anleihemarkt-Update
In den USA und in Europa sind die Zinsen vergangene Woche überraschend gestiegen. Das Ergebnis der Fed-Sitzung entsprach den Erwartungen, aber die Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed glauben weiterhin fest an die Stärke der amerikanischen Wirtschaft und betrachten die Inflationsschwäche als vorübergehend. …



Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Neirfy /Shutterstock.com

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