Wochenkommentar: Entspannung im Handelsstreit, EZB und Berichtssaison

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Ein für die Märkte wichtiges Ereignis war vergangene Woche die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Bei der anschließenden Pressekonferenz vermittelte die Notenbank vier Kernbotschaften.

Erstens hält die EZB nach wie vor an ihrem positiven Ausblick für das Wirtschaftswachstum fest. EZB-Präsident Mario Draghi sagte, die Zentralbank sei der Meinung, dass sich die Wirtschaftsindikatoren stabilisierten und auf einem Niveau bewegten, das einem soliden Wirtschaftswachstum entspreche. Dennoch sehe die Notenbank „auffällige“ Risiken aufgrund des zunehmenden Protektionismus. 

Zweitens veränderte die EZB geringfügig die Formulierung ihrer Inflationseinschätzung und sprach davon, dass innerhalb des Währungsraums bei einem hohen Auslastungsgrad der Kapazitäten und einem knapper werdenden Arbeitskräfteangebot der Kostendruck stärker werde und auf einer breiteren Basis stehe. Der Hinweis auf die breitere Basis ist neu. 

Drittens betonte Draghi, dass trotz des Vertrauens der Geldpolitiker in eine steigende Inflation auf mittlere Sicht immer noch in erheblichem Umfang geldpolitische Unterstützung erforderlich sei, um den weiteren Anstieg des Kostendrucks im Binnenmarkt und die Entwicklung der Inflation zu unterstützen. Er bestätigte die Erwartungen der Märkte, dass im Herbst 2019 die erste Zinserhöhung der EZB erfolgen könnte. 

Viertens diskutierte die EZB nicht über ihre Reinvestitionspolitik und sagte noch nicht einmal, wann darüber gesprochen werden wird, wenngleich der EZB-Präsident darauf hinwies, dass der Kapitalschlüssel eingehalten werden müsse. Das scheint die Möglichkeit auszuschließen, dass die Erlöse aus fällig werdenden Anleihen eines Landes in einem anderen reinvestiert werden. 

Unser Basisszenario geht weiter davon aus, dass angesichts des anhaltend niedrigen Inflationsdrucks die EZB erst im Dezember 2019 die erste Zinserhöhung durchführt; das ist etwas später als die Notenbank derzeit signalisiert.


Aktien: Starker Auftakt der Berichtssaison

In der vergangenen Woche gab es viele Unternehmensnachrichten. Die Stimmung der Investoren ist grundsätzlich positiv, weil die Geschäftszahlen der Unternehmen bisher alles in allem gut ausgefallen sind, vor allem in den USA. Außerdem war an den chinesischen Aktienmärkten eine gewisse Erholung zu verzeichnen. Diese war von der Stabilisierung des Renminbi und der Ankündigung einer proaktiveren Fiskalpolitik durch den Staatsrat der Volksrepublik China getrieben.

Auch bei den Handelszöllen haben die Sorgen nach dem Treffen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump etwas nachgelassen. Die beiden Politiker vereinbarten, neue Zölle auszusetzen und die bestehenden Zölle zwischen den USA und Europa neu zu verhandeln. Auf Unternehmensebene gab es einen Wermutstropfen, weil China das Übernahmeangebot des amerikanischen Telekomausrüsters Qualcomm für den Chiphersteller NXP Semiconductors nicht genehmigte, was darauf hindeutet, dass gewisse Handelsspannungen bestehen bleiben.


Anleihen: Tweets und Störgeräusche an den Anleihenmärkten

An den Anleihemärkten sorgten im ruhigen Sommerhandel mit niedriger Liquidität zahlreiche Tweets und Kommentare von Donald Trump sowie eine Reihe von Nachrichten von europäischen Politikern und Zentralbanken für steigende (Intraday-) Volatilität. Sowohl die Renditen auf US-Treasuries als auch die auf deutsche Staatsanleihen dürften in ihrer jeweiligen Handelsspanne bleiben, wobei die Bewegungen eher auf Störgeräusche als auf Wirtschaftsdaten zurückgehen. Wir rechnen damit, dass sich dies bis zu den Zwischenwahlen in den USA am 6. November fortsetzt. 

Die EZB-Sitzung der vergangenen Woche lieferte keine neuen Signale für die Märkte, was für die Stimmung der Rentenmarktinvestoren positiv sein dürfte. Die Investoren folgen allmählich den attraktiven Bewertungen nach der jüngsten Verkaufswelle bei Schwellenmarktanleihen, die weitgehend von Trumps Tweets und Drohungen verursacht wurde. Die Zuflüsse in auf harte Währungen lautende Schwellenmarktanleihen waren die zweite Woche in Folge positiv, nachdem elf Wochen lang Kapital abgeflossen war. ... 

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung. 


Foto: LaMiaFotografia / Shutterstock.com

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