Wochenkommentar: Draghi hat das Ziel verfehlt

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Die Anleihemärkte konzentrierten sich in der vergangenen Woche auf die Geldpolitik und reagierten deutlich auf die Pressekonferenz der EZB. Die Aktienmärkte profitierten weiter von der guten Berichtssaison.

Anleihemärkte: Keine geldpolitischen Änderungen erwartet

Für Investoren scheint die Geldpolitik wichtiger zu sein als das politische Umfeld. Deshalb stand in der vergangenen Woche vor allem die Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag im Mittelpunkt. EZB-Präsident Mario Draghi scheiterte jedoch mit seinem Versuch, die Märkte zu beruhigen, denn sowohl die Renditen als auch der Euro-Kurs sind während der Pressekonferenz gestiegen. 

In den USA ist die nächste Fed-Sitzung am 31. Januar die letzte geldpolitische Sitzung unter der Leitung von Janet Yellen; am 3. Februar übernimmt Jerome Powell die Leitung der amerikanischen Zentralbank. Der Markt misst dieser Sitzung offenbar keine Bedeutung bei, denn bei der Februar-Sitzung gibt es wie schon beim Dezember-Treffen, bei dem die Zinserhöhung beschlossen wurde, keine aktualisierten Prognosen und auch keine Pressekonferenz. Das erleichtert Jerome Powell den Einstieg, der die darauffolgende geldpolitische Sitzung am 21. März leiten wird.

Die Rendite auf 10-jährige Treasuries stieg im Wochenverlauf auf nahezu 2,7 % und zog dabei auch andere führende Staatsanleihemärkte mit nach unten. Der Zins auf 10-jährige US-Staatsanleihen befindet sich schon seit September 2017 in einem Aufwärtstrend, aber wir rechnen damit, dass die jüngste Aufwärtsbewegung ihre Grenzen erreicht hat.

Die langfristigen Anleiherenditen sind in der Regel ein zuverlässiger Indikator für die künftige Inflationsentwicklung, aber aktuell bleibt die Teuerung schwach. Die jüngste Aussage von US-Finanzminister Steven Mnuchin, die Regierung unterstütze einen schwachen US-Dollar, könnte mittelfristig zu einer etwas höheren Inflation führen. Diese Aussage wurde mittlerweile allerdings relativiert.

Das weltweit aufstrebende Wirtschaftswachstum bleibt eine der stärksten Triebfedern der Märkte und so scheinen politische Risiken keine nennenswerten Reaktionen hervorzurufen. Die politischen Nachrichten sind in der vergangenen Woche allerdings durchwachsen ausgefallen. Dass in Deutschland jetzt Koalitionsverhandlungen beginnen, hat die Hoffnung auf eine neue, stabile Regierung in Europas größter Volkswirtschaft geschürt. Unterdessen beherrschte die Haushaltssperre in den USA die Nachrichten, nachdem Präsident Trump zunächst keine Einigung mit den Demokraten hatte erzielen können und erst im Lauf des Montagnachmittags einen vorläufigen Kompromiss mit den Demokraten erzielte.

Mit Blick auf Italien rechnen wir damit, dass die Staatsanleihen des Landes im Vorfeld der Wahl Anfang März volatiler und anfälliger für politische Nachrichten werden. Momentan zeigen sich bei den Risikoaufschlägen von Peripherieländeranleihen aber noch keine Verwerfungen.


Aktienmärkte profitieren von Berichtssaison 

Nachdem Donald Trump am Freitag vor einer Woche genau ein Jahr lang im Amt war, beging die Regierung diesen Jahrestag mit einer Pattsituation im Kongress, die den ersten Haushaltsstopp der Regierung seit 2013 auslöste. Am vergangenen Monat stimmten die Demokraten im Senat einer Zwischenfinanzierung bis zum 8. Februar zu und ließen sich im Gegenzug bis zum selben Datum eine Debatte zum Status der sogenannten "Dreamer" zusichern. Die Märkte reagierten kaum.

Auf Unternehmensseite ging in der vergangenen Woche die Berichtssaison für das vierte Quartal weiter, und die Zahlen bestätigen weiterhin den weltweiten Aufschwung. Europas Indizes tendierten auf Wochensicht seitwärts, während die US-Märkte weiter zulegten, wenn auch in einer in Euro umgerechnet holprigen Bewegung aufgrund der US-Dollar-Schwäche. An den japanischen Märkten war der Trend in Yen bewertet ebenfalls etwas holprig, wobei die politische Unterstützung des langfristigen Trends durch „Abenomics“ weiterhin sicher ist. Eine leichte Abwertung der japanischen Währung gegenüber dem Euro dämpfte diese positive Entwicklung für europäische Investoren aber.

 
Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung. 


Foto: Tobias Arhelger / Shutterstock.com

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