Wochenkommentar: Die Unsicherheit bleibt

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Die Aktienmärkte sind vergangene Woche gefallen, weil die Spannungen im Handel zwischen den USA und China wieder aufgeflammt sind und die politische Unsicherheit in Italien die Märkte zusätzlich belastet hat.

Der STOXX Europe 600 fiel rund 1 %. Deutsche Aktien traf es noch stärker, weil die Investoren Angst hatten, ein Handelskrieg könnte sich massiv auf Industrieunternehmen und Automobilhersteller auswirken. Chinesische Aktien wurden ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen; sie verbilligten sich um rund 4 %. US-Aktien schlugen sich hingegen relativ gut, getragen vom aufwertenden US-Dollar. 

Daimler senkte als Reaktion auf die Handelsspannungen den Gewinnausblick für 2018. Das Unternehmen produziert in den USA Autos für den chinesischen Markt. Wenn China Zölle auf Güter aus den USA verhängt, schadet das dem Gewinn des US-Geschäfts von Daimler. Die deutschen Wettbewerber BMW und Volkswagen bestätigten schnell ihre Vorgaben für das Jahr. Volkswagen hat zwar ein großes China-Geschäft, würde unter Strafzöllen aber weniger leiden als andere, weil das Unternehmen viele Modelle vor Ort produziert. Die Aktie von Renault fiel am Donnerstag um 5 %, weil ein französischer Regierungsvertreter sagte, der Staat werde seine Aktienbeteiligungen überdenken, darunter auch die 15-%-Beteiligung an Renault.

Zentralbanken dominierten die Anleihemärkte

Die Entwicklung des Wirtschaftswachstums und der Verlauf der Zinsentwicklung haben dafür gesorgt, dass die Investoren wachsam bleiben. In den USA ist die konjunkturelle Entwicklung weiterhin gut, aber in Europa und im Rest der Welt – auch in einigen Schwellenländern – wird das Wachstum schwächer. Die Federal Reserve (Fed) will den jüngsten Anzeichen nach ihren Kurs der schrittweisen Zinserhöhungen fortsetzen, und einige wackelige Schwellenländer, wie Argentinien, Türkei und Brasilien, ergreifen ebenfalls restriktive Maßnahmen.

Die Europäische Zentralbank hat unterdessen signalisiert, dass bis Sommer 2019 nicht mit einer Zinserhöhung zu rechnen ist, und damit die Renditen auf deutsche und andere europäische Staatsanleihen sinken lassen. Die aktuelle Situation ist nicht mit 2013 vergleichbar, als die Fed in einem schwierigen Jahr für die Anleihemärkte ihre ersten Schritte in Richtung einer Normalisierung der Geldpolitik unternahm und damit begann, ihre expansiven Maßnahmen zurückzufahren. Die Anleger waren alarmiert und begannen, ihr Geld aus dem Anleihemarkt abzuziehen. Heute bleiben die Märkte für Staatsanleihen von Ländern, die als „sicher“ gelten, darunter die USA, Deutschland und Japan, ruhig, und die Anleiherenditen bewegen sich in einer niedrigen Handelsspanne. Riskantere Segmente der Rentenmärkte, wie Schwellenmarkt- und Hochzinsanleihen, sind unter Druck geraten. Aber wir rechnen nicht mit einem Ausverkauf wie 2013.

Wir gehen vielmehr davon aus, dass die führenden globalen Staatsanleihen in ihren festen Handelsspannen bleiben. Bei riskanteren Papieren kann es zwar stimmungsbedingt zu größeren Abweichungen kommen, aber eine regelrechte Korrektur ist nicht zu erwarten.

Die Lage in Italien stabilisiert sich zwar, bleibt aber problematisch. Der Renditeabstand italienischer Staatsanleihen zu deutschen Staatsanleihen dürfte groß bleiben. Im Herbst, wenn Italien der EU seinen Haushalt vorstellen soll, wird es zu Streitgesprächen zwischen Italien und der EU kommen; das bedeutet, ein gewisses Risiko bleibt vorerst bestehen.

EZB: Ist September 2019 zu früh?

Der EZB-Rat sagte bei seiner jüngsten Sitzung, man gehe davon aus, dass die Leitzinsen „mindestens bis Sommer 2019 auf dem aktuellen Niveau bleiben und in jedem Fall so lange, wie es nötig ist, um zu gewährleisten, dass die Inflationsentwicklung zu unseren aktuellen Erwartungen einer anhaltenden Anpassung passt“. Diese Vorgabe scheint zu unserer seit Langem feststehenden Prognose zu passen, dass es vor September 2019 nicht zu einer Zinserhöhung kommt. Unserer aktuellen Einschätzung nach steigen aber die Chancen, dass es noch länger dauert.

Erstens scheinen die Risiken in Bezug auf den Ausblick für das Wirtschaftswachstum eher nach unten zu zeigen. Die Wirtschaft der Eurozone scheint in eine Schwächephase eingetreten zu sein, ausgelöst durch ein geringeres Wachstum des Welthandels, und sowohl die EZB als auch wir gehen davon aus, dass das Wachstum noch in diesem Jahr wieder stärker wird. In den Wirtschaftsdaten finden sich dafür aber noch kaum Anzeichen. 

Zweitens könnte es länger dauern, bis die Kerninflation ansteigt, oder sie könnte langsamer steigen als die EZB derzeit erwartet. Unsere Prognosen für die Entwicklung der Kerninflation liegen weiterhin unter denen der EZB. Am Arbeitsmarkt der gesamten Eurozone scheint es nach wie vor viele ungenutzte Kapazitäten zu geben. 

Und drittens ist ein möglicher Anstieg des Länderrisikos in Italien weiterhin eine dunkle Wolke am Himmel. Wenn die neue populistische Regierung in Italien ihre Fiskalpläne vollständig umsetzt, ergeben sich ernsthafte Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit der italienischen Staatsschulden. Idiosynkratische Risiken in einem Mitgliedsland haben zwar keinen direkten Einfluss auf die Geldpolitik, aber so eine Entwicklung könnte das Vertrauen im Allgemeinen beschädigen und zu einer Verschärfung des finanziellen Umfelds führen. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung. 


Foto: g0d4ather / Shutterstock.com

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