Wochenkommentar: Die Fed lenkt ein

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Die US-Notenbank Fed hat vergangene Woche erwartungsgemäß die Leitzinsen um 25 Basispunkte (Bp) gesenkt. Damit liegt die Zielspanne für die Fed Funds Rate jetzt bei 2,0 bis 2,25 %. Fed-Chef Jerome Powell lieferte bei der Pressekonferenz eine solide Begründung für die Maßnahme.

Die Bank wolle mit der Senkung drei Dinge erreichen: eine Absicherung gegen die Risiken, die von den Handelsspannungen und der weltweiten Abkühlung in der Fertigungsindustrie ausgehen; einen Ausgleich für die bereits eingetretenen konjunkturellen Folgen dieser Faktoren (insbesondere im Fertigungssektor); und eine Rückführung der Inflation zum Zielbereich.

Gleichzeitig bemühte sich der Fed-Chef, die Erwartungen an weitere aggressive Zinssenkungen zu dämpfen. Bei der Frage, ob eine Zinssenkung um 25 Bp ausreiche, verwies er auf den Kurs des Offenmarktausschusses (FOMC) seit Anfang des Jahres: Die Geldpolitiker seien von einer Ausrichtung auf Zinserhöhungen über eine neutrale Haltung zu einer Ausrichtung auf Zinssenkungen übergegangen. Allein dieser Kurswechsel habe durch eine Lockerung der Finanzierungskonditionen bereits eine erhebliche unterstützende Wirkung entfaltet. Außerdem sagte Powell mehrfach, die Zinssenkung sei „nicht der Beginn eines längeren Senkungszyklus“. Auf Nachfragen stellte er aber klar: „Ich habe nicht gesagt, dass es nur eine Zinssenkung gibt.“ Stattdessen betonte er, dass die Frage, inwieweit eine zusätzliche Lockerung notwendig ist, davon abhänge, wie sich die Faktoren entwickeln, die zur aktuellen Zinssenkung geführt haben. Unser Haus geht davon aus, dass die Fed bis zum ersten Quartal 2020 zwei weitere Senkungen um jeweils 25 Bp vornimmt.

Aktien: Stimmung nach neuen Importzöllen gedämpft

Die Märkte waren sich vor der Zinssenkung der Fed nicht sicher, ob es 25 oder 50 Bp sein würden. Dies lag zum einen an der expansiven Grundhaltung der Fed seit Anfang des Jahres und zum anderen an den deutlich kommunizierten geldpolitischen Ansichten von US-Präsident Donald Trump. Dass es letztlich 25 Bp wurden, war keine einstimmige Entscheidung der Geldpolitiker der Fed. 

Die Märkte reagierten gedämpft auf die Nachrichten der Zentralbank: Die US-Aktienmärkte gingen mit einem Minus aus dem Handel und die europäischen Futures fielen. Der US-Dollar stieg auf unter 1,11 EUR/USD.

Zu erhöhter Unruhe hat hingegen eine weitere Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China geführt. Überraschend kündigte US-Präsident Trump am Donnerstagabend die Einführung eines 10%igen Importzolls auf ein zusätzliches Warenvolumen von 300 Mrd. US-Dollar an. Die Umsetzung soll ab September beginnen. Mit Blick auf hieraus entstehende Konjunkturrisiken, reagierten die internationalen Börsen mit ausgeprägten Kursverlusten, deren Ausmaß in Europa am stärksten zu spüren waren. Im Wochenverlauf verlor der EuroStoxx50 Index 4,2%. Der US-amerikanische S&P500 Index gab um 3,1% nach.

Die Märkte werden ihre Aufmerksamkeit in der kommenden Woche weiter auf die Quartalsberichte der Unternehmen und insbesondere auf die Erwartungen für 2020 konzentrieren. Nachdem die Prognosen in den vergangenen Quartalen nach unten korrigiert wurden, liegen die Ergebnisse jetzt über den Erwartungen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg konnten die mehr als 75 % der S&P-500-Unternehmen, die inzwischen Zahlen vorgelegt haben, im Durchschnitt die Prognosen beim Umsatz um 1,16 % und beim Gewinn um 5,3 % übertreffen. Beim Gewinn finden sich die größten Überraschungen in den Sektoren Informationstechnologie, Versorger und Gesundheit.

Das Global Investment Committee unserer Bank sieht seit Mitte Juli eine Untergewichtung von Aktien vor. Bei der regionalen Aufteilung haben wir weiterhin die USA übergewichtet, Europa untergewichtet und die Schwellenländer neutral eingestuft.

Anleihen: Zentralbanken in der Hauptrolle 

Inzwischen gibt es quantitative Belege dafür, wie negativ sich ein Handelskrieg auf das Wirtschaftswachstum auswirken kann. Die Daten aus Deutschland und Frankreich sind enttäuschend, und die Exporte aus China und anderen asiatischen Volkswirtschaften sind zurückgegangen. So zeigen sich Risse in der Weltwirtschaft. Im Gegensatz dazu erweist sich die US-Wirtschaft aufgrund ihres großen Binnenmarkts als robust. Die neuerliche Erhöhung von Zollbarrieren durch die US-Administration schürt die Sorge vor einem Abrutschen der Weltkonjunktur in eine Stagnation oder gar Rezession.

Als Reaktion auf die politischen Entwicklungen profitierten Staatsanleihen von einem weiteren Renditerückgang. Die Flucht in sichere Anlagen drückte die Renditen deutscher Papiere auf Rekordniveaus – im negativen Bereich. So sank die Rendite 10-jähriger Bunds erstmals unter die Schwelle von -0,5%. Mit dem Abtauchen 30-jähriger Papiere lagen erstmals deutsche Anleihen der gesamten Laufzeitenstruktur im negativen Bereich. Auch 10-jährige US-Treasuries sanken in den ersten Augusttagen maßgeblich ab und notierten zum Wochenausklang bei 1,77%. Zur Erinnerung: im November letzten Jahren erreichten sie einen zyklischen Hochpunkt bei 3,23%. Seither haben sich die Konjunkturperspektiven merklich geändert.

Vor dem Hintergrund der nachlassenden globalen Wachstumsdynamik spielt die Geldpolitik eine entscheidende Rolle für die Stabilisierung. Die Zentralbanken scheinen beschlossen zu haben, die Wachstumsphase zu verlängern, indem sie die Zinsen so weit wie nötig senken und dabei die hartnäckig niedrige Inflation ausnutzen. 

Die geldpolitische Lockerung der Fed unterstützt Hochzinsanleihen. Auf der Suche nach einer positiven Wertentwicklung haben renditestarke Anlagen wie (globale) Hochzinsanleihen und Schwellenmarktschuldtitel (Staats- und Unternehmensanleihen) insbesondere in den vergangenen zwei Monaten eine starke Performance verzeichnet. Dabei gab es bei Staatsanleihen aus Schwellenländern mehr Luft nach oben, und so haben sich diese Titel besser entwickelt als Unternehmensanleihen. Die Zinssenkung der Fed könnte in den nächsten Wochen eine weitere positive Bewertung von festverzinslichen Wertpapiere (Renten) bewirken. In Asien (Industrie- und Schwellenländer) ist nach wie vor ein beträchtliches Wachstum von über 6 % zu erwarten, aber die BIP-Prognosen für sämtliche lateinamerikanischen Volkswirtschaften wurden auf besorgniserregende Niveaus gesenkt. Bei den lateinamerikanischen Ländern könnte aber jegliche Verbesserung der politischen Unsicherheit Wertsteigerungen bei den jeweiligen Rententiteln bedeuten.…

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Orhan Cam / Shutterstock.com

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