Wochenkommentar: Die Fed hat gesprochen

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Wie weit wird die Fed die Zinsen noch erhöhen? Das ist momentan eine der zentralen Fragen für die Märkte. Es ist noch nicht lange her, als Fed-Chef Jay Powell sagte, die Zinsen seien noch weit weg von einem neutralen Niveau. Inzwischen scheint er das anders zu beurteilen.

Da ein Notenbankchef die Geldpolitik nicht im Alleingang bestimmen kann, darf er seine geldpolitischen Absichten auch nicht allzu deutlich und detailliert kundtun. Hinweise müssen daher subtil und einigermaßen vage sein. Am vergangenen Mittwoch veröffentlichte die Fed ihren halbjährlichen Bericht zur Finanzstabilität. Powell fasste die zentralen Aussagen des Berichts mit den Worten eines Arztes zusammen: „Eine Reihe von Dingen sollten wir im Auge behalten, aber alles in allem sind Sie gesund.“ 

Auch zum konjunkturellen Ausblick und zur Geldpolitik äußerte sich Powell. Das wichtigste Wort der Rede war „knapp“. Die Märkte für risikobehaftete Vermögenswerte mochten dieses Wort und reagierten sofort mit Kurssteigerungen. In diesem Satzzusammenhang kam das Wort vor: „Die Zinsen sind im historischen Vergleich immer noch niedrig, und sie bleiben knapp unterhalb der breiten Spanne an Schätzungen des gesamtwirtschaftlich neutralen Niveaus, bei dem die Zinsen das Wachstum weder beschleunigen noch bremsen.“

Im September waren die Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) der Meinung, dass von September bis Ende 2020 fünf weitere Zinserhöhungen erfolgen. Eine weitere Anhebung im Dezember 2018 ist bereits weitgehend eingepreist, und Powell machte keine Anstalten, die Marktteilnehmer von dieser Vermutung abzubringen. Mit dem Wörtchen „knapp“ in der Beschreibung des Abstands der Zinsen vom neutralen Niveau signalisierte Powell, dass fünf weitere Erhöhungen in diesem Zyklus unwahrscheinlich sind. Aber wir gehen davon aus, dass neben einer Zinsanhebung im Dezember 2018, die Fed 2019 nur ein weiteres Mal die Zinsen erhöht, und zwar im ersten Halbjahr.

Anleihen: Etwas entspannter

Fed-Chef Jay Powell lobte bei der jüngsten Sitzung der Notenbank den guten Zustand der US-Wirtschaft, schlug aber entspanntere Töne an. Amerikanische Staatsanleihen reagierten nicht besonders stark auf die implizierte Planvorgabe, aber dennoch fiel die Rendite auf 2-jährige US-Staatsanleihen um 4 Basispunkte auf 2,80 %, und die Verzinsung von 10-jährigen Treasuries sank um 4 Basispunkte auf 3 %. Dass es 2019 mehr als eine Zinserhöhung geben könnte, hat der Markt momentan ausgepreist.

In Europa zeigte sich Italiens Regierung aus Angst vor Sanktionen der Europäischen Kommission kompromissbereit und schlug vor, das Haushaltsdefizit von 2,4 % auf 2,2 % zu senken. Ob dies ausreicht, um die Kommission an den Verhandlungstisch zu bringen, ist noch unklar. Die Märkte begrüßten die Geste zunächst. Die Rendite auf 10-jährige italienische Staatsanleihen fiel auf etwa 3,21 % und damit auf den tiefsten Stand seit September, und die Risikoaufschläge gingen auf 290 Basispunkte zurück und liegen damit jetzt deutlich unter den im November erreichten 325 Basispunkten. Am 3. und 4. Dezember treffen sich die Finanzminister der Eurozone in Brüssel, um darüber zu beraten, ob die Europäische Kommission ein offizielles Verfahren wegen eines zu hohen Haushaltsdefizits gegen Italien einleiten soll.  

Bei Unternehmensanleihen dürften die jüngsten Vorgaben der Fed positive Auswirkungen auf die US-Renditen haben. Amerikanische Hochzinsanleihen sind im Oktober und November drastisch gefallen und haben die gesamte positive Performance seit Jahresbeginn zunichte gemacht. Dies liegt an der Korrelation mit den Ölpreisen, Sorgen wegen der hohen Verschuldung von Unternehmen und dem schwächeren Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr. In Europa hat der Hochzinssektor ebenfalls gelitten; hier waren die Diskussionen um Italiens Haushalt, der Brexit und die schlechteren Konjunkturindikatoren für die Entwicklung verantwortlich. In den kommenden Wochen ist ein erstes politisches Ergebnis zu erwarten, das sich definitiv auf den europäischen Markt auswirken wird.

Aktien – Warten auf eine Einigung

Die Aktienmärkte entwickelten sich in der vergangenen Woche positiv. Triebfeder waren die jüngsten Aussagen der US-Fed. Die Aktieninvestoren haben sehnsüchtig auf eine Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China gehofft, die vergangene Woche beim G20-Gipfel in Buenos Aires geschlossen werden sollte. Zumindest ist ein Waffenstillstand entstanden.

Zu Beginn der vergangenen Woche wurden die Verkaufszahlen für den Black Friday veröffentlicht. Diesmal haben nicht nur die großen Onlinehändler profitiert, sondern seit Langem auch einmal wieder die traditionellen Einzelhändler. 

Der Handelskrieg zwischen den USA und China bleibt einer der zentralen Punkte für die Marktteilnehmer. US-Präsident Donald Trump sagte zu Beginn der vergangenen Woche in einem Interview, es sei wahrscheinlich, dass er die Zölle auf chinesische Importgüter von 10 auf 25 % anheben würde. Am Mittwoch meldete dann aber die New York Times, dass eine Einigung bevorstehe, weil die Auswirkungen der Zölle der US-Wirtschaft zu sehr schadeten. Eine Gruppe von amerikanischen Fertigungsunternehmen sagte einhellig, höhere Zölle führten in den USA nicht zu mehr Arbeitsplätzen sondern nur zu höheren Preisen. 

So wurde der G20-Gipfel in Argentinien und das am Rande stattfindende Treffen zwischen Trump und Chinas Präsident Xi mit Spannung erwartet. Auch wenn die Ergebnisse erst langsam veröffentlicht werden, so ist bereits bekannt, dass eine weitere Anhebung von Importzöllen auf chinesische Waren zum 1. Januar 2019 vorerst nicht erfolgt. Hingegen wurde ein Waffenstillstand von drei Monaten vereinbart, währenddessen die Verhandlungspartner an einer Klärung offener Handelsfragen arbeiten wollen. Die Fristverlängerung wurde zu Wochenbeginn positiv von den internationalen Kapitalmärkten aufgenommen ...

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Orhan Cam / Shutterstock.com

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