Wochenkommentar: Der Türkei steht eine Rezession bevor

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Die jüngsten Andeutungen der türkischen Zentralbank die Inflation zu bekämpfen, hat Investoren nicht allzu beeindruckt. Unsere Volkswirte sind skeptisch: Sie haben in der vergangenen Woche ihre Prognosen für die Entwicklung der türkischen Wirtschaft im Jahr 2019 deutlich gesenkt.

Am Montag der vergangenen Woche teilte die türkische Zentralbank mit Blick auf die jüngste Inflationsentwicklung mit, man werde „die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Preisstabilität zu unterstützen“ und den geldpolitischen Kurs bei der Sitzung im September anpassen. Das könnte zwar endlich die lange erwarteten Zinserhöhungen bringen, doch unsere Volkswirte gehen davon aus, dass die Anhebungen nur an die Inflation angepasst werden. Für Investoren wäre das eine Enttäuschung, denn sie erwarten eine Zinspolitik der Notenbank, die auch den Wertverfall der türkischen Lira mitberücksichtigt. Unsere Volkswirte gehen davon aus, dass Zinserhöhungen, die sich lediglich an der Inflation orientieren, und andere Maßnahmen zur Unterstützung der Lira nicht ausreichen werden, den Absturz der türkischen Währung zu stoppen. Insgesamt erwarten unsere Ökonomen kein Aufhalten des Lira-Verfalls, da Zinserhöhungen, die sich lediglich an der Inflation orientieren, zur Unterstützung der Lira nicht ausreichen sollten. Es steht vielmehr zu befürchten, dass die Lira weiter abwertet und das Wirtschaftswachstum sich verschlechtert.  

In so einem Umfeld werden einige Unternehmen Schwierigkeiten haben, ihre Auslandsschulden zurückzuzahlen. Der Nichtfinanzsektor steht mitten in der Schusslinie, und Restrukturierungs- und Ausfallquoten dürften erheblich steigen. Dies wird höchstwahrscheinlich zu einem abrupteren und stärkeren Rückgang der Wirtschaftsleistung führen. Deshalb gehen unsere Volkswirte davon aus, dass der Türkei 2019 eine Rezession bevorsteht. Entsprechend haben sie ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr von +2 % auf -3 % gegenüber dem Vorjahr nach unten korrigiert.

Kursverfall an den Aktienmärkten

Weltweit haben die Aktienmärkte in der vergangenen Woche Einbrüche erlebt, wobei die Kursrückgänge in den Schwellenländern am größten waren. Die Handelsspannungen zwischen den USA und China haben sich fortgesetzt. Am Donnerstag lief die Frist ab für die Erhebung von Zöllen, die die USA auf chinesische Importgüter verhängen wollten. Und China wollte im Gegenzug Importgüter aus den USA mit Strafzöllen belegen. Zwischen den USA und Kanada hielten die Handelsspannungen ebenfalls an, weil Trump sich mit Mexiko auf einen neuen NAFTA-Vertrag geeinigt hat. Kanada soll nun ebenfalls eine Vereinbarung zu Trumps Bedingungen akzeptieren. Die Verhandlungen laufen jedoch noch. In der vergangenen Woche meldete das Institute for Supply Management (ISM), dass der ISM-Fertigungsindex den höchsten Stand seit 14 Jahren erreicht hat; das stärkt das Vertrauen in die weltgrößte Volkswirtschaft. Doch selbst diese Meldung konnte den Kursverfall an den Aktienmärkten nicht verhindern.

Anleiheinvestoren blicken mit Sorge auf Italien

Die jüngsten Nachrichten aus Italien sorgten vergangene Woche an den Anleihemärkten für Turbulenzen. Vizeministerpräsident Salvini von der Lega Nord wurde am vorletzten Wochenende mit den Worten zitiert, er habe nicht die Absicht, sich beim Haushalt an die im Euroraum geltende Defizitgrenze von 3 % zu halten. Diese Politik hätte in Brüssel für Unruhe gesorgt, wodurch italienische Staatsanleihen massiv korrigierten. Salvini ruderte eilig zurück, und die Anleihekurse erholten sich wieder. Das Interessante dabei ist, dass von der Fünf-Sterne-Bewegung – dem größeren Koalitionspartner und der größten populistischen Partei – nichts zu hören war. Seit Gründung der Regierungskoalition drängt die Lega Nord ihren Koalitionspartner immer wieder in den Hintergrund. Selbst in den Umfragen hat die Lega inzwischen einen deutlichen Vorsprung. Das dürfte die Emotionen in der Koalition hochkochen lassen.

Derweil muss die Regierung ihren Haushaltsplan bis zum 27. September dem Parlament vorlegen. Dann wird klar werden, ob Italiens politische Führung das Defizit unter 3 % des BIP halten will oder nicht. Darauf folgen eine öffentliche Debatte mit der EU und das „Urteil“ der Ratingagenturen …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung. 


Foto: ChiccoDodiFC / Shutterstock.com

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