Wochenkommentar: Das Schweigen der Märkte

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Die Aktienmärkte zeigten sich in der vergangenen Woche etwas schwächer – unter Druck standen Anleiherenditen. Den US-Raketenangriff auf Syrien quittierten die Märkte hingegen mit Schweigen.

Aktienmarkt-Update
In der vergangenen Woche gingen die Aktienmärkte leicht zurück. In den USA starteten die Märkte vorsichtig in die Woche, weil die Investoren die Möglichkeit erwogen, dass Präsident Trump länger brauchen könnte, um seine Steuerpläne und damit die geplante Unterstützung der US-Wirtschaft durchzusetzen. Im Wochenverlauf lieferten gute Daten vom US-Arbeitsmarkt Unterstützung für die Aktienkurse. Die Luftschläge des US-Militärs gegen Ziele in Syrien am Freitag wirkten sich an den Märkten nicht nennenswert aus. (...)

Anleihemarkt-Update
Sowohl bei amerikanischen als auch bei deutschen Staatsanleihen fielen die Renditen ans untere Ende der Handelsspanne. Seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten bewegen sich die Renditen in einer Seitwärtsspanne, deren unteres Ende bei 10-jährigen Treasuries bei ungefähr 2,3% und bei 10-jährigen Bundesanleihen bei 0,2% liegt. Das Reflationsthema hat weiter an Unterstützung verloren, denn mit jeder Woche, in der Trump keines seiner Wahlversprechen einlöst, schwindet die Hoffnung auf einen starken fiskalpolitischen Konjunkturschub in den USA. 

Unterdessen ist die Inflation in Europa im März stärker gefallen als erwartet, wenngleich der Rückgang weitgehend auf statistische Effekte zurückzuführen ist, die mit dem Zeitpunkt von Ostern und einem niedrigeren Ölpreis zu tun haben. Dennoch konnte Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), dank des Inflationsrückgangs Marktspekulationen entgegenwirken, die Notenbank könnte schon viel früher zu einer restriktiveren Geldpolitik übergehen und bereits 2017 das Anleihekaufprogramm zurückfahren oder gar mit Zinserhöhungen beginnen.

Die starke Dynamik der Weltwirtschaft, wo Europa trotz der politischen Ereignisse weiter positiv überrascht, dürfte die Normalisierung von Geldpolitik und Zinsen für 2018 auf Kurs halten. Die Diskussion über den Zeitpunkt einer Rückführung der Anleihekäufe und einer Anhebung der Leitzinsen wird im Sommer wieder aufleben, wenn die Unsicherheit, die von der Wahl in Frankreich ausgeht, weg ist. Wir rechnen damit, dass die EZB reagiert, indem sie die Reduzierung der Anleihekäufe früher als geplant ankündigen und beginnen wird, so dass sowohl die Renditen auf deutsche Staatsanleihen als auch die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen steigen werden. Daher erwarten wir in den meisten europäischen Anleihemarktsegmenten für den Rest des Jahres einen negativen Ertrag, auch wenn das erste Quartal bereits negativ war (trotz einer leichten Erholung seit Mitte März).

Meinungsumfragen signalisieren eine sehr begrenzte Wahrscheinlichkeit, dass Marine Le Pen französische Präsidentin wird. In der zweiten Jahreshälfte können die Märkte ihre Aufmerksamkeit von der französischen auf die deutsche Wahl lenken. Wir glauben, dass die Bundestagswahl weniger gravierende Risiken birgt und daher für die Märkte einfacher zu verarbeiten ist. Anders als in Frankreich haben die populistischen Parteien in Deutschland Mühe, die 5-Prozent-Hürde zu überwinden, um überhaupt ins Parlament einziehen zu können. In Italien gelingt es den etablierten Parteien hingegen noch nicht, sich den opportunistischeren Parteien entgegenzustellen, die in den Umfragen zusammengenommen immer noch mehr als 40 Prozent Unterstützung genießen. Die Wahl in Italien soll spätestens im Februar 2018 stattfinden. In Italien könnten die Risikoaufschläge wieder steigen, vielleicht nach der Wahl in Frankreich, wenn eine Erholungsrally stattgefunden hat.

Makro-Update
Das Protokoll der Fed-Sitzung vom März deutet darauf hin, dass die Geldpolitiker über die potenziellen Vorteile und Kosten von Ansätzen für eine Verkürzung der Zentralbankbilanz gesprochen haben. Die Bilanzsumme der Fed beläuft sich inzwischen auf rund 4,5 Billionen USD. Die Fed hält bisher an ihrer Politik fest, Rückzahlungen aus ihren Investments in amerikanische Staatsanleihen und verbrieften Immobilienkrediten (Mortgage Backed Securities) zu reinvestieren und auslaufende Anleihen durch neue, länger laufende zu ersetzen. 

Die meisten Sitzungsteilnehmer waren der Meinung, dass eine Änderung der Reinvestitionspolitik in diesem Jahr angebracht wäre, wenn die Konjunktur sich wie erwartet entwickelt. Unklar bleibt in dem Sitzungsprotokoll, ob die Fed die Reinvestitionen auslaufen lassen oder auf einen Schlag vollständig beenden will. Wir halten ein schrittweises Vorgehen Strategie für sinnvoller und gehen davon aus, dass die Umsetzung beginnt, wenn mehr Klarheit zu Zeitpunkt und Umfang der fiskalischen Konjunkturmaßnahmen herrscht (...) 

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung. 

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