Wochenkommentar: Brexit – Jetzt wird es spannend

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Im Vorfeld der Brexit-Abstimmung im britischen Parlament am Dienstag, dem 11. Dezember, wird die Diskussion immer hitziger.

Premierministerin Theresa May hat eine Reihe von Niederlagen hinnehmen müssen: Unter anderem wurde ihrer Regierung „Missachtung des Parlaments“ vorgeworfen, weil sie das Rechtsgutachten, das sie zum Brexit-Vertrag erhalten hat, nicht veröffentlicht hat und dem Parlament für den Fall einer Ablehnung des Austrittsvertrags kein größeres Mitspracherecht eingeräumt hat. Zudem könnte die jüngste Position des Generalanwalts des Europäischen Gerichtshofs, Großbritannien könne einseitig beschließen in Europa zu bleiben, die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Brexit noch vergrößern. 

Vor diesem Hintergrund ist der Widerstand gegen den Brexit-Deal von Theresa May weiter gewachsen, und es erscheint immer unwahrscheinlicher, dass das Parlament zustimmt. Die wichtigste Nachricht ist in unseren Augen aber die Abstimmung vom vergangenen Mittwoch, die dem Parlament ein Mitspracherecht über den Kurs der Regierung für den inzwischen weithin erwarteten Fall einräumt, dass das Parlament den vorgeschlagenen Austrittsvertrag am 11. Dezember ablehnt.

Nach der Abstimmung am Mittwoch hat die Regierung 21 Tage Zeit, dem Parlament einen Plan über das weitere Vorgehen vorzulegen. Das Parlament darf diese Position dann ergänzen oder ändern und könnte so einen „ungeordneten“ Brexit ausschließen und/oder zur Bedingung machen, dass die Regierung eine zweite Volksabstimmung zu dem Thema durchführt. Davon abgesehen bleibt May unter Umständen nur die Wahl zwischen Neuwahlen und einem zweiten Referendum, wenn das Parlament den Vertragsentwurf ablehnt, und dann könnte sie sich für Letzteres entscheiden. Die Labour-Partei dürfte ein neues Referendum unterstützen, wenn sie keine Neuwahlen erzwingen kann. Bei einer zweiten Volksabstimmung dürften die Briten die Wahl haben zwischen einem Brexit auf der Basis des ausgehandel-ten Vertragsentwurfs oder dem Verbleib in der EU.

Aktien – Kommt die Weihnachtsrally noch?

Eigentlich hätten die Aussagen von Jerome Powell, dem Vorsitzenden der US-Fed, vergangene Woche eine „Weihnachtsrally“ auslösen können, hat der Notenbankchef doch angedeutet, die Fed könnte sich dem Ende ihres Zinserhöhungszyklus nähern; außerdem haben sich US-Präsident Trump und Chinas Präsident Xi Jinping darauf geeinigt, weitere Zollerhöhungen erst einmal 90 Tage lang auszusetzen. Diese beiden Elemente, die Zinserhöhungen der Fed und der Handelsstreit, stellten dieses Jahr für die Märkte den größten Gegenwind dar. Trotzdem könnte es mit der Rally noch etwas dauern. Die Begeisterung der Investoren hat schnell nachgelassen, nachdem uneinheitliche Aussagen von Vertretern des Weißen Hauses, darunter einige Tweets des Präsidenten, Zweifel an der Tragfähigkeit der Handelsvereinbarung haben aufkommen lassen. Deshalb erlitten die globalen Märkte eine der schärfsten Verkaufswellen der jüngsten Monate, ausgelöst durch Sorgen um das weltweite Wachstum.

Einige Fakten zu Unternehmensanleihen

Die Risikoaufschläge auf Unternehmensanleihen sind über 150 Basispunkte gestiegen. Bevor wir ermitteln, ob dies ein gutes Einstiegsniveau ist, verweisen wir noch auf ein paar grundlegende Dinge. Oft sagt man, dass langfristig die Mehrrendite von Unternehmensanleihen gegenüber sicheren Staatsanleihen bei rund 120 Basispunkten liege. In den vergangenen 20 Jahren lag der Risikoaufschlag aller europäischen Investment-Grade-Unternehmensanleihen genau auf diesem Niveau. Hier stellen sich zwei Fragen: Bedeutet dies, dass die Investoren diese 120 Basispunkte bekommen haben? Und lassen sich Unternehmensanleihen von, sagen wir, vor zehn Jahren mit denen von heute vergleichen? Die Antwort lautet nein.

Das gesamte Anlageuniversum an Investment-Grade-Unternehmensanleihen hat eine durchschnittliche Mehrrendite gegenüber sicheren Staatsanleihen von nur rund 40 Basispunkten jährlich erwirtschaftet. Was ist mit den verbleibenden 80 Basispunkten passiert? 

Rund 35 Basispunkte sind dem „Crossover-Effekt“ zum Opfer gefallen. Anleihen von Unternehmen, deren Rating in den Bereich unterhalb von Investment-Grade gesenkt wurde, sogenannte „gefallene Engel“, werden erst Ende des jeweiligen Monats aus dem Index genommen. Große Teile des von institutionellen Investoren verwalteten Geldes dürfen nicht in Nicht-Investment-Grade-Anleihen investiert werden. Wenn das Rating eines Unternehmens in den Bereich unterhalb von Investment-Grade gesenkt wird, müssen die Investoren diese Anleihen verkaufen, und das wirkt sich negativ auf die Index-Rendite aus. Die Auswirkungen sind enorm. Dabei zahlen fast alle „gefallenen Engel“ ihre Schulden zurück. Das heißt, die Investoren, die solche Titel verkaufen, bescheren High-Yield-Investoren attraktive Chancen. ...

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: lazyllama / Shutterstock.com

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