Wochenkommentar: Stabile Märkte dank Berichtssaison

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In der Eurozone ist die Inflation von 1,4 % im März auf 1,7 % im April gestiegen und zeigt sich maßgeblich durch ein Anziehen der Inflation in Deutschland getrieben. Dort stieg die Teuerung von 1,4 % im März auf 2,1 % im April.

Diese Steigerung ist weitgehend auf einen Anstieg der Preise für Pauschalreisen zurückzuführen, die bekanntermaßen eine schwankungsanfällige Komponente der Inflationsdaten sind. Darüber hinaus spielte in Deutschland eine vorübergehende Verschiebung von Rabattaktionen bei Bekleidung und Schuhen eine Rolle. Auch in Spanien ist die Inflation zum Teil auf steigende Preise für Touristenangebote zurückzuführen. Deutschlands hoher Anteil an der Gesamtinflation in der Eurozone ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die gesamteuropäische Teuerung so deutlich angezogen hat. In anderen Ländern, wie Frankreich, Italien und Belgien, gingen die monatlichen Inflationsdaten nur sehr moderat nach oben. 

Aktien: Schwellenländer und Industrieländer driften auseinander 

In der vergangenen Woche sind die Aktienmärkte in den meisten Industrieländern leicht gestiegen; der S&P-500-Index erreichte neue Höchststände, auch der Euro Stoxx 600 Index nähert sich den alten Höchstständen von Oktober 2018. Nach der geldpolitischen Sitzung der Federal Reserve (Fed) in den USA am Mittwoch legten die Märkte eine Verschnaufpause ein, weil der Ton der Fed weniger expansiv war als in der jüngsten Vergangenheit. Unterdessen hinkten die Schwellenländer den Industrieländern in letzter Zeit etwas hinterher. Seit Jahresbeginn liegt die absolute Rendite in Schwellenländern im zweistelligen Bereich und ist damit sehr erfreulich. In den Industrieländern war die Entwicklung jedoch noch besser. Eine Aufschlüsselung der Schwellenmarktregion nach einzelnen Ländern zeigt, dass Festland China eine deutliche Outperformance verzeichnen konnte und sich sogar noch besser entwickelt hat als die USA. Die Länder, deren Börsen am stärksten gelitten haben, sind Indien, Brasilien und Mexiko. Dies zeigt: positive Entwicklungen in China bedeuten nicht, dass eine Outperformance der chinesischen Börsen direkte Auswirkungen auf die Leitmärkte anderer Schwellenländern haben muss.

Die Berichtssaison für das erste Quartal ging in der vergangenen Woche relativ positiv weiter. Sowohl in den USA als auch in Europa konnten die meisten Unternehmen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn die Prognosen übertreffen. Mit US-Unternehmen wie Apple, McDonald‘s und Mastercard haben in der vergangenen Woche auch Firmen mit großer Signalwirkung Zahlen vorgelegt. 

Anleihen: Geht es so ruhig weiter?

Für die Rentenmärkte ist der bisherige Jahresverlauf sehr gut verlaufen. In einem Umfeld mit Zinsen nahe Null haben Staatsanleihen und Investment-Grade-Unternehmensanleihen zwischen 1,5 % und 3,5 % Rendite eingebracht. In etwas riskanteren Segmenten rentieren Schwellenmarktanleihen mit 5 % und globale Hochzinsanleihen mit 7 %. Diese Renditen stehen in krassem Gegensatz zu dem, was wir im letzten Quartal 2018 gesehen haben, als die Finanzmärkte anfingen, eine Rezession einzupreisen. Diese Angst wich erst, als die Zentralbanken einen expansiveren geldpolitischen Kurs einschlugen. Die Fed pausierte ihre Zinserhöhungen, und die EZB verschob ihre Zinserhöhungspläne noch weiter.

Dies löste an den Märkten eine zweigliedrige Reaktion aus: Die Risikoaufschläge gingen zurück, was die Preise für riskantere Schuldtitel steigen ließ – eine Reaktion, die zu einem Wachstumsszenario passt. Gleichzeitig sind die Zinsen gesunken, was ein Szenario mit schwächerem Wachstum und einer niedrigeren Inflation spiegelt. Rückläufige Zinsen sind für Anleiheinvestoren zwar gut (weil sich die Kurse umgekehrt zu den Renditen entwickeln), aber es stellt sich die Frage, wie lange sich diese Situation aufrechterhalten lässt. Jetzt preisen die Märkte ein geringeres Wachstum und eine niedrigere Inflation ein, rechnen in nächster Zukunft aber nicht mit einer Rezession. Sollte das Wachstum aber auch nur einen Hauch schwächer ausfallen als erwartet, würde es sich der Rezessionszone nähern. 

Die Fehlertoleranz ist kleiner geworden. Unserer Einschätzung nach kann die aktuelle Phase relativer Ruhe einige Zeit anhalten, was bei Anleiheinvestitionen eine größere Risikobereitschaft mit sich bringen könnte. Wir halten aber wachsam Ausschau nach Entwicklungen, die eine höhere Volatilität auslösen könnten; dazu gehören die neuerliche Angst vor einer Instabilität in China, der wachsende Populismus in der Eurozone angesichts der bevorstehenden Europawahlen, enttäuschende Unternehmensgewinne und eine weitere Verschlechterung des Wachstums in der Eurozone. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Jorg Hackemann / Shutterstock.com

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