Wochenkommentar: Kein einheitliches Bild

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Die Eurozone leidet unter den globalen Handelskonflikten und der weltweiten Abkühlung in der Fertigungsindustrie und im Handel. Die Q2-BIP-Zahlen der einzelnen Euroländer und der Eurozone als Ganzes haben in den vergangenen Wochen gezeigt, dass das Quartalswachstum wie erwartet nachgelassen hat. Das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich im zweiten Quartal auf 0,2 % gegenüber dem Vorquartal, während im ersten Quartal noch +0,4 % zu Buche gestanden hatten.

In Deutschland fiel das Quartalswachstum zum ersten Mal seit dem dritten Quartal 2018 wieder in den negativen Bereich (-0,1 % gegenüber dem Vorquartal). Außerdem war der ZEW-Stimmungsindikator deutlich schwächer als erwartet. Er fiel auf ein Mehrjahrestief. In Deutschland konzentriert sich die Schwäche auf die Exporte und die Industrie. Das Land steuert auf eine Rezession zu. Wir gehen davon aus, dass Deutschlands Wirtschaft auch schwächer bleibt als die Eurozone insgesamt. Für den gesamten Währungsraum ist im zweiten Halbjahr eine Stagnation zu erwarten, aber keine Rezession.

Anleihen – turbulente Märkte

Nachdem der August turbulent begonnen hat – der VIX erreichte mit 24,6 den höchsten Stand seit dem 3. Januar 2019 – scheinen die Märkte wieder eine gewisse Stabilität gefunden zu haben. Einer der Faktoren, die zu dieser Stabilisierung beigetragen haben, war die Entscheidung der Regierung Trump, die jüngste Zollerhöhung im aktuellen Handelskrieg mit China auf den 15. Dezember zu verschieben. Doch in einem Umfeld mit einer weltweit nachlassenden Wachstumsdynamik könnte die positive Marktreaktion auf diese Entscheidung kurzlebig sein. Die drohende Konjunkturschwäche wurde zuletzt von den BIP-Zahlen aus Deutschland bestätigt. 10-jährige Bundesanleihen geben die Richtung vor. Sie bleiben ein sicherer Hafen in einem volatilen Marktumfeld. Die Rendite auf Bundesanleihen, die sich umgekehrt zum Kurs entwickelt, fiel auf ein Allzeittief bei -0,641 %.

Die amerikanischen Staatsanleihen (US-Treasuries) dürften in den kommenden Tagen wieder einmal eines der zentralen Themen der Finanznachrichten sein, denn die Steigung der Renditekurve bei US-Staatsanleihen hat sich im Laufzeitbereich zwischen 2 und 10 Jahren vergangene Woche umgekehrt. Eine solche Inversion der Renditekurve, bei der die Verzinsung langfristiger Papiere unter die von kurzfristigen Anleihen fällt, gilt als Vorbote einer Rezession. Den letzten sieben Rezessionen ging immer eine solche Umkehr der Renditekurve im Laufzeitbereich zwischen 2 und 10 Jahren voraus. Das letzte Mal geschah dies im Dezember 2005, zwei Jahre vor der Finanzkrise und der anschließenden Rezession. Investoren sollten dieses Signal nicht auf die leichte Schulter nehmen. Aber wie auch die letzte Inversion zeigt, könnte es noch einige Zeit dauern, bevor die Rezession tatsächlich eintritt.

Unter den Schwellenländern sackten die argentinischen Märkte ab, nachdem das Ergebnis der Vorwahl zugunsten des Mitte-Links-Kandidaten Fernandez und gegen den amtierenden Mitte-Rechts-Präsidenten Macri ausfiel. Dieses unerwartet klare Ergebnis wurde als negativ für die Finanzmärkte gewertet. Wir halten das Ansteckungsrisiko für andere Länder aber für sehr begrenzt und gehen davon aus, dass nach der aktuellen Panik in den kommenden Wochen eine gewisse Stabilisierung folgt.

Bei der aktuellen politischen Unsicherheit (Handelskrieg, die Gefahr eines „harten“ Brexits, bevorstehende Wahlen in Italien) und angesichts der abkühlenden Dynamik der Weltwirtschaft glauben wir nach wie vor an die Wirkung von Eingriffen der Zentralbanken: Wenn sie die Zinsen niedrig halten, können sie den laufenden Aufschwung noch etwas verlängern. Deshalb bleiben wir bei einer längeren Duration (Duration: ein Maß für die Zinsabhängigkeit), da sich Anleihen mit längerer Laufzeit besser entwickeln dürften als solche mit kurzen Laufzeiten. In den riskanteren Anleihesegmenten geben wir weiterhin Schwellenmarktanleihen den Vorzug gegenüber Hochzinstiteln. Die expansive Geldpolitik der Fed begünstigt unsere Position in Schwellenmarktanleihen, die noch weiter profitieren könnten, wenn der US-Dollar abwertet. Hochzinsanleihen bleiben in unseren Augen teuer und bieten mittelfristig nur ein begrenztes Aufwärtspotenzial (in Euro oder Dollar).

Aktien – eine holprige Reise

Die Aktienmärkte sind in der vergangenen Woche gefallen. Aber es war eine holprige Entwicklung mit großen Intraday-Schwankungen, die durch gesamtwirtschaftliche und politische Nachrichten verursacht wurden. Am Montag starteten die Märkte positiv, angesichts der Erholung des Renminbi. Die Stabilisierung der chinesischen Währung signalisierte, dass Chinas Zentralbank eine geordnete Abwertung anstrebt, nachdem die Abschwächung des Renminbi vergangene Woche Marktturbulenzen ausgelöst hatte. Durch die Demonstrationen und Proteste in Hongkong drehte die Marktstimmung aber. Am Dienstag kündigte Donald Trump an, die angekündigten zusätzlichen Zölle in Höhe von 10 % auf chinesische Importe bis Mitte Dezember zu verschieben. Daraufhin erholten sich die Aktienmärkte wieder.

Am Mittwoch ging es erneut nach unten, weil China und Deutschland enttäuschende Wirtschaftsdaten meldeten. Die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion in China verfehlten die Schätzungen. Deutschland meldete für das zweite Quartal eine rückläufige Wirtschaftsleistung. In Verbindung mit einem Bericht vom Dienstag, demzufolge die Zuversicht deutscher Investoren schlechter geworden ist, stieg dadurch die Angst vor einer Rezession in Deutschland. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: ChiccoDodiFC / Shutterstock.com

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