Wochenkommentar: Ergebnisse der Klimakonferenz enttäuschen

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Vorletzte Woche ging die UN-Klimakonferenz in Madrid zu Ende. Ziel war es, Regeln für die CO2-Märkte aufzustellen, hier gab es aber keine Einigung, und die Entscheidung wurde auf nächstes Jahr verschoben.

UN-Generalsekretär António Guterres sagte: „Die internationale Gemeinschaft hat eine wichtige Gelegenheit verpasst, mehr Ehrgeiz bei Bekämpfung, Anpassung und bei der Finanzierung von Gegenmaßnahmen zu beweisen.“ Es ist ein enttäuschendes Ergebnis, vor allem im Hinblick auf die Kluft zwischen den tatsächlichen Fortschritten und den globalen Zielen zur Begrenzung der weltweiten Erwärmung. 177 Unternehmen haben sich dafür ausgesprochen, die Emissionen so stark zu senken, dass das 1,5-Grad-Ziel der Climate Ambition Alliance erreicht werden kann. 

Die Finanzmärkte haben auf das enttäuschende Ergebnis der Klimakonferenz kaum reagiert. Stärker war ihre Reaktion auf das Ergebnis der Parlamentswahl in Großbritannien, das die Unsicherheit verringert hat, ob die Briten jetzt wirklich aus der EU austreten. Außerdem reagierten die Märkte auf die Ankündigung einer ersten Handelsvereinbarung zwischen den USA und China. Die USA drohen nicht mehr mit weiteren Zöllen, und China hat zugesagt, Agrargüter und andere Produkte aus den USA zu kaufen. Dies hat die Aktienmärkte beflügelt. 

In den USA und in Schwellenländern setzten die Aktienmärkte ihren Anstieg fort, während sie in Europa eine Pause einlegten, nachdem bekannt geworden war, dass Boris Johnson gesetzlich verankern will, dass Großbritannien den Übergangszeitraum beim Austritt aus der EU nicht über das Jahresende 2020 verlängern wird. Damit wäre ein „harter“ Brexit immer noch möglich. Das britische Pfund hat einen Teil seiner Stärke eingebüßt. Im Lauf der Woche sind die Märkte leicht zurückgegangen, was die alte Börsenweisheit bestätigt: „Gerüchte kaufen, Tatsachen verkaufen.“

Jetzt, kurz vor Weihnachten, gehen die Märkte in eine Seitwärtsbewegung und der Nachrichtenfluss wird dünner.

Anleihen: Märkte sind entspannter

Die Märkte beenden das Jahr 2019 deutlich entspannter als sie es begonnen haben. Die Risikoprämien sind in den vergangenen Wochen gesunken und haben Jahrestiefstwerte erreicht. Dieser Rückgang zeigte sich sowohl bei Investmentgrade-Unternehmensanleihen als auch in riskanteren Marktsegmenten, wie bei Hochzins- und Schwellenmarktanleihen. Die Verzinsung von deutschen und amerikanischen Staatsanleihen, die besorgten Anlegern als sichere Häfen dienen, sind weiter gestiegen. 

Die Investoren dürften sich nächstes Jahr allem Anschein nach wieder stärker auf die konjunkturellen Fundamentaldaten konzentrieren statt auf schwer einzuschätzende geopolitische Spannungen. Doch mit dem Wahlergebnis in Großbritannien und der ersten Handelsvereinbarung zwischen den USA und China sind keine Garantien verbunden. Unterdessen stehen in den USA die Chancen schlecht, dass das Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Trump im Senat Erfolg hat. Dennoch markiert es aber den Beginn eines turbulenten Wahljahres in den USA. 

Bei den konjunkturellen Fundamentaldaten sollten die Investoren erkennen, welchen Schaden die geopolitische Unsicherheit bereits angerichtet hat, und das Thema dürfte auch in den kommenden Monaten den Ton angeben, bevor ein nennenswerter Aufschwung kommt. Die Zentralbanken bemühen sich sehr zu verhindern, dass echte Rezessionsgefahr aufkommt. 

Das Verbrauchervertrauen ist zwar kaum angeschlagen, aber das Geschäftsklima ist in den Keller gerauscht. Dort muss es von einem sehr niedrigen Niveau erst einmal wieder aufwärts gehen, bevor die Investitionen der Unternehmen wieder auf dem alten Stand sind. Es könnte sein, dass irgendwann im ersten Quartal eine letzte Runde der geldpolitischen Lockerung nötig wird, um sicherzugehen, dass sich die Weltwirtschaft weiter erholt. In diesem Umfeld erscheinen uns Unternehmensanleihen die beste Position zu sein. Zieht das Wirtschaftswachstum an, würde jeder weitere Anstieg der Renditen auf (deutsche) Staatsanleihen durch niedrigere Risikoaufschläge kompensiert, denn der Ausblick für Unternehmen fiele dann besser aus. Enttäuscht das Wirtschaftswachstum hingegen , wird die Europäische Zentralbank (EZB) eingreifen: Sie wird die Renditen drücken und den Direktkauf von Unternehmensanleihen ausweiten. In den riskanteren Anleihesegmenten sind wir mit Hochzinsanleihen nach wie vor vorsichtig, weil hier auf teuren Märkten Rückschläge drohen. Bei Schwellenmarktanleihen sind wir optimistischer, denn die ersten Frühindikatoren signalisieren dort bereits eine Trendwende und geben weltweit den Ton an. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: imacoconut / Shutterstock.com

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