Wochenkommentar: Einkaufmanagerindizes im Fokus

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Angesichts der Schwäche, die im Fertigungssektor weltweit zu beobachten ist, stellt sich die Frage, ob die Probleme auch auf den Dienstleistungssektor übergreifen.

Vergangene Woche gab es erste Hinweise darauf, dass dies der Fall sein könnte. In den USA fiel der ISM-Index für das Dienstleistungsgewerbe im September auf ein Zehn-Jahres-Tief, was deutlich unter den Erwartungen lag. Der Rückgang erstreckte sich recht breit über die verschiedenen Teilindizes hinweg; besonders besorgniserregend war aber die negative Entwicklung bei Beschäftigung und Auftragseingängen. Dies deutet darauf hin, dass das geringe Vertrauen in den Fertigungssektor, das mit dem Handelskrieg zu tun hat, auch auf das Dienstleistungsgewerbe übergreift und sich auch dort eine Abkühlung ankündigt. Diese Daten decken sich mit unserer Einschätzung, dass die Probleme in der Fertigungsindustrie irgendwann zu einer breiter angelegten konjunkturellen Abkühlung führen – über ein schwächeres Beschäftigungswachstum und letztlich einen geringeren Konsum.

Aktien: China hält sich wacker

Die Aktienmärkte sind in der vergangenen Woche deutlich gefallen. In erster Linie liegt dies an enttäuschen-den Wirtschaftsdaten und einer Entscheidung der Welthandelsorganisation (WTO) zu illegalen Subventionen; beides schürte Sorgen im Hinblick auf das Wachstum der Weltwirtschaft.

Am Dienstag wurde der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Eurozone veröffentlicht. Im monatlichen Vergleich bildet dieser Index Veränderungen der Produktionsniveaus ab. Ein Stand über 50 Punkten entspricht einer Expansion, darunter schrumpft die Wirtschaft. Der Einkaufsmanagerindex fiel auf 45,7. Unter 50 befindet sich der Fertigungs-PMI für die Eurozone schon seit Februar 2019, aber dies war der niedrigste Stand seit Oktober 2012.

Am selben Tag wurde auch der Einkaufsmanagerindex für die Fertigungsindustrie in den USA veröffentlicht. Hier war ein Stand von 50 Punkten erwartet worden, tatsächlich lag der Index aber bei 47,8. Damit lag der Fertigungs-PMI in den USA den zweiten Monat in Folge unter der Marke von 50 Punkten.

Am Mittwoch kam die Welthandelsorganisation (WTO) zu dem Ergebnis, dass Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien dem Flugzeugbauer Airbus unrechtmäßige Subventionen gewährt haben. Angerufen wurde die WTO von den USA. Nach dem Urteil dürfen die USA nun Importzölle auf europäische Güter im Wert von USD 7,5 Mrd. verhängen. Den Handelskrieg auf Europa auszuweiten könnte für die Amerikaner der nächste Schritt sein. In Verbindung mit der wachsenden Sorge über das Wirtschaftswachstum führte dies zu einem Rückgang von europäischen Aktien um 2,7 %, während der S&P 500 um 1,8 % fiel.

Als die Volksrepublik China ihr 70-jähriges Bestehen feierte, erlitt der Hang-Seng-Index nicht die gleichen schweren Kursverluste wie die Aktienmärkte in Europa und in den USA. Dies war bemerkenswert, gingen doch die Proteste in Hongkong weiter. Sie wurden sogar noch schlimmer: Die Polizei hat einen Studenten erschossen. Auf den Aktienmarkt in Hongkong hatte dies aber keine negativen Auswirkungen.

Wir haben Aktien in unseren Portfolios weiter untergewichtet, weil das Risiko-Chancen-Verhältnis von Aktien in unseren Augen durch die weltweite Abschwächung des Wachstums bedroht ist. Aus regionaler Sicht geben wir den USA den Vorzug vor Europa und stufen Schwellenmärkte neutral ein.

Anleihen: Signale eines niedrigen PMI

Während für Europas Industrieunternehmen die Berichtssaison für das dritte Quartal beginnt, nehmen die Anzeichen für eine Schwäche in den Endmärkten zu. Obwohl der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Fertigungsindustrie in Frankreich um die Marke von 50 Punkten schwankt, liegt er in Deutschland bei 41, dem niedrigsten Stand seit der Rezession von 2009.

Das produzierende Gewerbe ist ein Schlüsselsektor für Deutschlands Wirtschaft und die Aussichten von Europas Industriewerten. Somit deuten anhaltende Rückgänge der Frühindikatoren auf eine schwächere Nachfrage 2020 hin. Deutschlands Fertigungsunternehmen steht durch die Kombination aus Handelskrieg, Brexit und strukturellen Veränderungen in der entscheidenden heimischen Automobilindustrie ein Super-GAU bevor. Dies alles scheint ein schlechtes Umfeld für Investitionen geschaffen zu haben. Sowohl bei deutschen als auch bei britischen Staatsanleihen sind die Renditen im vergangenen Monat gestiegen. Wir rechnen aber damit, dass sie wieder fallen, deshalb behalten wir unsere Übergewichtung von Titeln mit längerer Laufzeit bei.

Der Markt scheint gelernt zu haben, mit dem ungelösten Handelsstreit zwischen den USA und China zu leben. Jedes Treffen bringt Hoffnung, gefolgt von neuen Forderungen oder gebrochenen Versprechungen. Nächste Woche finden zwischen China und den USA Gespräche auf höherer Ebene statt; da wird sich zeigen, ob es Fortschritte gibt.

Wenngleich sich fast die gesamte Aufmerksamkeit auf China richtet, haben die USA bereits die Erlaubnis der Welthandelsorganisation erhalten, Zölle gegen Importe aus der EU zu verhängen, und die EU dürfte wiederum bald Vergeltungsmaßnahmen ankündigen. In Verbindung mit dem Risiko eines ungeregelten Brexits könnte dies die Schwäche der Eurozone verschlimmern. Doch auch wenn die wichtigsten Handelspartner der USA eine stärkere Abkühlung verzeichnen, lässt die konjunkturelle Dynamik auch in den USA selbst nach. Dies bestätigt, dass auch die Amerikaner nicht immun sind gegen die Schwierigkeiten im Welthandel und passt zu unserer Einschätzung, dass es bis zum Jahresende zwei weitere Zinssenkungen der US-Notenbank Fed geben wird.

In einem von Risikoscheu geprägten Umfeld steigt in der Regel die Volatilität von Schwellenländeranleihen und anderen Hochzinsunternehmensanleihen. Angesichts der Unsicherheit und der globalen konjunkturellen Abkühlung, vor allem in China, bräuchten Schwellenmarktwährungen eine deutlich expansivere Fed und damit einen schwächeren USD als wir für wahrscheinlich halten. Nur dies könnte den Abwärtstrend dieser Währungen umkehren. Da wir davon nicht ausgehen, investieren wir in Schwellenländern nur in auf harte Währungen lautende Titel. 

Die Schwellenländer mit dem besorgniserregendsten Haushaltsdefizit sind Argentinien, Brasilien und Saudi-Arabien. Argentinien und Brasilien verzeichnen ein stagnierendes Wirtschaftswachstum, das größte politische Risiko und die höchste Schuldenquote (Verschuldung in Relation zum BIP), während in Saudi-Arabien die Ölexporte nach dem Drohnenangriff zurückgegangen sind. Gleichzeitig ist die Verschuldung Saudi-Arabiens mit einem Stand unter 25 % so niedrig, dass sich die Investoren hier keine Sorgen machen müssen. Die Länder, die in den Schwellenmarktindizes die höchste Gewichtung haben, verfügen über solide Staatsfinanzen und Spielraum für weitere Zinssenkungen. Dies rechtfertigt unsere Übergewichtung von Schwellenmarkttiteln gegenüber Hochzinsunternehmensanleihen. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Vintage Tone / Shutterstock.com

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