Wochenkommentar: Auf die Geldpolitik angewiesen

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Auf den ersten Blick sieht die Entwicklung der US-Wirtschaft nach wie vor gut aus: Die Arbeitslosigkeit ist auf einem historischen Tiefstand und das Wachstum liegt weiterhin über dem Trend. Bei genauerem Hinsehen zeigen sich allerdings Risse.

Der Fertigungssektor – in der Regel der stärkste Konjunkturmotor – ist schwach, Tendenz fallend. Daraus folgt ein geringeres Beschäftigungswachstum, was wiederum das Verbrauchervertrauen dämpft. Dies wird letztlich eine breiter angelegte Abkühlung (aber keine Rezession) begünstigen. Angesichts dieser drohenden Abkühlung und da Inflationsdruck fehlt, gehen wir davon aus, dass die US-Notenbank Fed bei jeder der drei verbleibenden geldpolitischen Sitzungen dieses Jahr die Zinsen um weitere 25 Basispunkte senkt. 

Aktien: Starker Konsum, schwache Produktion

Die Aktienmärkte haben vergangene Woche leicht Boden hinzugewinnen und zu einem gewissen Grad die Verluste der Vorwoche aufgeholt, obwohl es im Handelskrieg zwischen Chinas Präsident Xi Jinping und dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump zum Wochenschluss weitere Schritte der Eskalation gab. So haben beide Seiten eine weitere Anhebung der Zollquoten auf den Austausch von Handelsgütern angekündigt. US-Präsident Trump forderte amerikanische Unternehmen gar auf sich recht zügig nach alternativen Handelspartnern umzusehen. 

Daneben gewann rund um den Globus die Debatte um fiskalische Stützungsprogramme an Schwung, auch in Deutschland. Die Bundesregierung erwägt ein EUR 50 Mrd. schweres Paket, um die Binnenwirtschaft und den Konsum zu unterstützen. Nachdem Deutschland rund zehn Jahre lang einen ausgeglichenen Haushalt hatte, konnte das Land die Staatsverschuldung von 83 % im vergangenen Jahrzehnt auf nunmehr 60 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) senken. Doch die schwache Industrieproduktion belastet die Konjunktur auch in Deutschland. Das deutsche BIP ging im zweiten Quartal um 0,1 % zurück. Wir rechnen damit, dass sich die Rezession in der deutschen Industrie im dritten Quartal verschärft. Zudem sind die Finanzierungskonditionen so attraktiv wie nie. Deutschland hat vergangene Woche die weltweit erste 30-jährige Anleihe mit 0 %-Kupon bei einer durchschnittlichen Verzinsung von -0,11 % verkauft.

In den USA stand vergangene Woche der Einzelhandel im Fokus

In der Sektorbetrachtung waren der zyklische Konsum und IT die stärksten Bereiche, während Finanzen, allen voran die Bankaktien, weiterhin unter den sinkenden Renditen an den Rentenmärkten leiden. Da wir davon ausgehen, dass die Renditen niedrig bleiben, halten wir unsere Untergewichtung dieses Sektors nach wie vor für angemessen.

Anleihen: Warten, dass die EZB liefert

Die Rettung naht, denn wir gehen davon aus, dass die EZB in wenigen Wochen eine neue Runde mit Stützungsmaßnahmen ankündigt. Das hilft den Märkten und schafft einen Ausgleich zwischen der Abkühlung der globalen Wachstumsdynamik und der Vorwegnahme von Unterstützungspaketen der Notenbanken und Regierungen, um dieser Abkühlung entgegenzuwirken. 

Daneben beschäftigen sich die Märkte mit zahlreichen politischen Einflussfaktoren - unter anderem der Handelskrieg zwischen den USA und China, die italienische Politik, ein potenzieller ungeregelter Brexit und die Situation im Iran. Vor diesem Hintergrund ist die Wertentwicklung, die wir dieses Jahr bislang gesehen haben, überwiegend ein Produkt der Annahme von Unterstützungsmaßnahmen. Der anhaltende Abwärtstrend bei gesamtwirtschaftlichen Frühindikatoren würde eigentlich auf eine deutlich geringere Wertentwicklung hindeuten. 

In diesem Marktumfeld gibt es zudem auch noch die eine oder andere überraschende Entwicklung, zum Beispiel dass spanische Anleihen weniger stark an andere Peripherieländeranleihen gekoppelt sind, etwa an italienische Staatsanleihen. Stattdessen verhalten sich Spaniens Anleihen inzwischen mehr wie die Schuldtitel von kernnahen Ländern wie Frankreich oder Belgien. 

Unterdessen gibt es viele Fragen zur Ausgestaltung der Anreizpakete der EZB. Löst die Notenbank ungewollt neuerliche politische Turbulenzen in der Eurozone aus, indem sie die Trennung zwischen Nord und Süd verstärkt? Erhöht die EZB den Prozentsatz des Gesamtmarkts, den sie in ihren Büchern halten darf, und wenn ja, um wie viel? Legt sie ein neuerliches Kaufprogramm für Unternehmensanleihen auf, oder kauft sie am Ende sogar Aktien? Und wird es der EZB gelingen, die Banken mit Vorschriften davon abzuhalten, Negativzinsen an die Kunden weiterzugeben?  

Die Vorfreude der Märkte auf weitere Stützungsmaßnahmen hat schon viel bewirkt, aber wie diese Maßnahmen der EZB letztlich aussehen, ist noch weitgehend unklar. Eins steht hingegen fest: Die Negativzinsen werden uns noch sehr lange erhalten bleiben. Wir behalten unsere Übergewichtung von Duration und Investment-Grade-Unternehmensanleihen in unseren Portfolios bei, weil wir davon ausgehen, dass die EBZ liefert. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: LaMiaFotografia / Shutterstock

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