Wochenkommentar: Relative Ruhe

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Die vergangene Woche eröffnete aufgrund von Feiertagen ruhig. Am Montag blieben die Märkte in den USA und in Großbritannien geschlossen (in den USA war Memorial Day, in Großbritannien Spring Bank Holiday). Auch am Donnerstag blieb das Handelsvolumen aufgrund des Feiertags Christi Himmelfahrt niedrig. Auch im Hinblick auf die gesamtwirtschaftlichen Daten war es eine ruhige Woche. Die Berichtssaison ist nahezu vorüber.

Erst Neuerungen zum internationalen Handelskonflikt führten zu verstärkten Bewegungen an den Börsen. Mit der Ankündigung Donald Trumps ab dem 10. Juni sämtliche Handelswaren aus Mexiko mit einer Importsteuer zu belegen, drifteten die weltweiten Börsen ins Minus. Im Wochenvergleich ging der amerikanische S&P500 Index mit einem Verlust von 2,6% aus der Woche. Der deutsche Aktienindex sackte um 2,4% ab.

Im Hinblick auf die Handelsstreitigkeiten sind der 28. und der 29. Juni wichtige Datenpunkte. Da dürften US-Präsident Trump und Chinas Präsident Xi Jinping beim G20-Gipfel in Osaka in Japan aufeinandertreffen. Es ist unübersehbar, dass sich das Verhältnis zwischen China und den USA in letzter Zeit sowohl auf wirtschaftlicher als auch auf politischer Ebene weiter verschlechtert hat. Eine Einigung im Rahmen des G20-Gipfels bleibt äußerst unwahrscheinlich. Wir bleiben bei einer vorsichtigen Positionierung und halten die Aktienquote auf neutral.

Anleihen: (fast) überall negative Renditen

Bei der Europawahl haben sowohl links- als auch rechtsgerichtete Parteien der Mitte verloren; sie werden in Zukunft enger zusammenarbeiten müssen. Die Bedrohung durch den wachsenden Populismus fiel zwar weniger drastisch aus als befürchtet, über alle Industrieländer hinweg ist es den Populisten aber gelungen, auf schlechte politische Entscheidungen und eingetrübte Wachstumsaussichten aufmerksam zu machen und die Verantwortung für innenpolitische Probleme auf andere abzuschieben, statt sich selbst um Lösungen zu bemühen. All diese Entwicklungen werden dafür sorgen, dass die Renditen auf Kernländerstaatsanleihen länger niedrig bleiben – vielleicht sogar noch länger als wir denken.

Der (in den meisten Ländern) kontinuierliche Rückgang der Renditen auf Staatsanleihen seit Oktober 2018, der aufgrund einer schwachen Konjunktur in den meisten Industrieländern und aufgrund fehlender Inflation zu beobachten war, wird die Erwartungen der Investoren vor der nächsten EZB-Ratssitzung am 6. Juni gedämpft halten. Investoren in Pfandbriefen dürften sich vor allem darauf konzentrieren, welchen Zinssatz die EZB für das vor ein paar Monaten angekündigte TLTRO-3-Programm vorgibt. Über diese Programme (TLTRO: Targeted Longer-Term Refinancing Operations) bietet die Notenbank den Geschäftsbanken zinsgünstige Refinanzierungsmöglichkeiten.

Die dritte Auflage des Programms könnte sich auf die Märkte für Pfandbriefe auswirken. Ohne das TLTRO-3-Programm hätten sich einige europäische Banken über den Pfandbriefmarkt frisches Kapital beschafft, weil die Nachfrage nach solchen Titeln immer noch sehr hoch ist. Wenn das Zinsniveau des neuen TLTRO-Programms aber niedrig genug ist, werden sich diese Banken (vor allem in Europas Peripherieländern) lieber bei der EZB Geld leihen, als Pfandbriefe auszugeben. Das könnte die bereits niedrigen Spreads (Risikoaufschläge) von Pfandbriefen weiter sinken lassen.

Während Staatsanleihen von Kernländern und (Semi-)Kernländern bis zu Laufzeiten von neun Jahren negativ sind, bieten Staatsanleihen aus Peripherieländern, Unternehmensanleihen und Schwellenmarktanleihen noch eine positive Verzinsung. Solange die Fundamentaldaten weltweit positiv bleiben, behalten wir unsere Übergewichtung dieser Anleihesegmente bei. Unserer Einschätzung nach ist die aktuelle Marktlage – mit geringer Volatilität – für Spreads nach wie vor positiv. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Orhan Cam / Shutterstock.com

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