Wochenkommentar: Handelskonflikte stützen Renten

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In der vergangenen Woche haben wir unsere Prognosen für das weltweite Wirtschaftswachstum nach unten korrigiert. Wir rechnen damit, dass bis Ende des Jahres ein Zyklus der geldpolitischen Lockerung beginnt. Die Veränderungen spiegeln eine negativere Einschätzung der weiteren Entwicklung des Handelsstreits zwischen den USA und China in den kommenden Monaten wider.

US-Präsident Trump scheint sich weniger darum zu sorgen, wie die Märkte auf seine Politik reagieren, als bislang angenommen. Der jüngsten Entwicklungen in den Verhandlungen mit Peking im vergangenen Monat haben die Risiken erhöht. Dass die USA jetzt auch mit Mexiko einen Handelskrieg begonnen haben, bestätigt, dass die US-Regierung unbeirrt an ihrem politischen Konfrontationskurs festhält. Deshalb gehen wir inzwischen davon aus, dass die Handelskonflikte der USA mit China, Mexiko und möglicherweise noch weiteren Nationen anhalten. Die direkten Folgen von Zöllen sind spürbar aber nicht massiv, die indirekten Auswirkungen dürften hingegen enorm sein. Insbesondere rechnen wir mit beträchtlichen Folgen durch schärfere Finanzierungskonditionen und ein schlechteres Geschäftsklima. Der weltweite Zyklus der geldpolitischen Lockerung dürfte die Voraussetzung für eine Verbesserung des Wirtschaftswachstums im zweiten Halbjahr schaffen.

Trotzdem könnte das Konjunkturwachstum in den großen Volkswirtschaften in den kommenden zwölf Monaten im Durchschnitt rund 0,5 Prozentpunkte niedriger ausfallen als wir in unserem aktuellen Basisszenario prognostizieren. Dies bedeutet eine längere Phase mit einem unter dem Trend liegenden Wirtschaftswachstum statt einer Rezession für die Weltwirtschaft. Die Region, die einer Rezession am nächsten kommt, dürfte die Eurozone sein; hier rechnen wir für den Rest des Jahres mit einer Stagnation des Quartalswachstums. Innerhalb des Währungsraums erwarten wir in Italien und Deutschland eine technische Rezession, das heißt zwei aufeinander folgende Quartale mit einer negativen Konjunkturentwicklung. Der Rückgang dürfte aber relativ moderat ausfallen; ein massiver Abschwung ist nicht zu erwarten.

Die Kavallerie (oder die Fed) auf dem Vormarsch

Am Freitag vor einer Woche verschreckte US-Präsident Trump die Märkte erneut mit einer Twitter-Meldung: Die USA würden einen Zoll von 5 % auf alle Importe aus Mexiko erheben, bis der südliche Nachbar die illegale Einwanderung in die USA stoppe. Als wäre das nicht schon genug, trübte die Entwicklung in China die Stimmung der Investoren noch zusätzlich. Peking arbeitet an einem Plan, den Export von seltenen Erden an die USA zu beschränken. Schlechte Nachrichten kommen immer im Dreierpack; das war auch diesmal so. Die jüngsten Daten zeigen, dass Chinas Fertigungssektor im Mai stärker nachgelassen hat als erwartet.

All diese negativen Nachrichten ließen Aktien fallen und US-Staatsanleihen steigen. Unterdessen warnen die größten Banken der Wall Street die Investoren vor einem wachsenden Rezessionsrisiko infolge des eskalierenden Handelskriegs zwischen den USA und China. JPMorgan erhöhte in der Konjunkturprognose für die USA die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession in der zweiten Hälfte dieses Jahres auf 40 %; vor einem Monat waren es noch 25 % gewesen. 

Zum Glück können wir uns auf die Kavallerie in Gestalt der US-Notenbank Fed verlassen, die den Märkten zu Hilfe eilt. Fed-Chef Jerome Powell signalisierte am Dienstag die Bereitschaft, bei Bedarf die Zinsen zu senken; man werde die Konsequenzen des Streits der USA mit den wichtigsten Handelspartnern genau im Auge behalten. Powells Stellvertreter Richard Clarida bekräftigte dies. Gegenüber dem Fernsehsender CNBC sagte er, die Fed werde „Maßnahmen ergreifen, die Preisstabilität und Vollbeschäftigung nicht nur erreichen, sondern auch bewahren werden; das werden wir auch tun, wenn es nötig ist“. Genau das wollten die Märkte hören, und die Aussicht auf eine expansivere Geldpolitik ließ die Aktienkurse wieder steigen.

Unsere neutrale Haltung gegenüber Aktien bleibt bestehen. Wir gehen von einem moderateren Gewinnwachstum der Unternehmen aus, doch die geopolitische Unsicherheit belastet die Märkte. Wir geben den USA den Vorzug vor Europa, weil dort der Wachstumsausblick besser ist, mehr nicht zyklische Trends am Werk sind und mehr defensive Merkmale greifen. Ausgehend von dieser Einschätzung konzentrieren wir uns auf Sektoren mit nicht zyklischem Wachstum, wie Kommunikationsdienstleistungen und IT.

Spannungen im internationalen Handel wachsen

Die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und China sorgen weiterhin für große Unsicherheit an den Kapitalmärkten. So sind sowohl amerikanische als auch deutsche Staatsanleihen in der vergangenen Woche stark gestiegen, und die Zentralbanken sehen sich gezwungen, stärker auf die Auswirkungen auf das weltweite Wirtschaftswachstum zu achten. 

In unsicheren Zeiten scheinen für viele Anleger festverzinsliche Anlagen, die stetige Einnahmen bieten, das Mittel der Wahl. Wir rechnen damit, dass der G20-Gipfel Ende Juni etwas Erleichterung bringen könnte, denn dort ist auch ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping geplant.

Im aktuell nervösen Gesamtumfeld sind die Renditen bei US-Staatsanleihen ebenso wie bei allen anderen Investment-Grade-Anleihen gefallen, während riskantere Anlagen unter der Risikoscheu litten. Staats- und Unternehmensanleihen aus Schwellenländern, die wir bevorzugen, haben sich besser entwickelt als globale Hochzins-Unternehmensanleihen. 

Italiens instabile Regierungskoalition und Deutschlands enttäuschende Wirtschaftsdaten lassen uns vermuten, dass mit einem expansiven Kurs der EZB zu rechnen ist. EZB-Chef Mario Draghi sagte am Donnerstag bei einer Pressekonferenz, er werde sich nicht scheuen, Maßnahmen zu ergreifen, um die Wirtschaft des Euroraums zu stützen, wenn das Wachstum schwächer wird. So haben wir auf der einen Seite wachsende Unsicherheit und auf der anderen geldpolitische Unterstützung.  …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


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