Wochenkommentar: Handelskonflikt belastet Stimmung

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In Deutschland haben sich in der Industrie die Auftragseingänge und die Produktion im März verbessert, doch die Einzelheiten der beiden Berichte und die Stimmungsindikatoren deuten darauf hin, dass die Schwäche im Industriesektor anhält.

Die Auftragseingänge stiegen im März gegenüber dem Vormonat um 0,6 %; vor dem Hintergrund, dass in den vorangegangenen zwei Monaten ein Minus von insgesamt 6 % zu verzeichnen gewesen war, ist das sehr wenig. 

Die Bestellungen bei Kraftfahrzeugen gingen im ersten Quartal um mehr als 5 % zurück, nachdem sie im Vorjahresquartal ein Plus von 7,5 % verzeichnet hatten. Dies verdeutlicht, dass der Automobilsektor nach wie vor in schlechter Verfassung ist, selbst unter Berücksichtigung der vorübergehenden Verzerrungen, die durch die Einführung der neuen Emissionsstandards im September 2018 entstanden sind. 

Der ifo-Geschäftsklimaindex für die Fertigungsindustrie fiel im April erneut erheblich, und der Einkaufsmanagerindex für den Sektor blieb klar unter 50, der Marke, die Expansion von Kontraktion trennt.

Wir gehen davon aus, dass die Entwicklung der deutschen Fertigungsindustrie auch in den kommenden Monaten träge bleibt. Erst im Jahresverlauf dürfte die Produktion getragen von einer mäßigen Erholung des Welthandels wieder steigen. 

Aktien: Die Handelsspannungen sind zurück 

Die Märkte wurden in der vergangenen Woche erneut von neuerlichen Handelsspannungen zwischen den USA und China aufgeschreckt. Was eigentlich als letzte Verhandlungsrunde zwischen den beiden Ländern gedacht war, wurde durch einen Twitter von Präsident Trump in Frage gestellt. Zum Wochenschluss wurde die Drohung wahrgemacht und Zölle auf US-Importwaren aus China im Wert von 200 Mrd. US-Dollar erhöht.

Die erneute Unsicherheit hat die globalen Aktienmärkte belastet. Dabei hat es erwartungsgemäß exportorientierte Länder am stärksten getroffen, denen Handelszölle am meisten schaden würden. Chinas Festlandsmarkt verlor im Wochenverlauf 4,7%, wohingegen die Auswirkungen auf den amerikanischen S&P500-Index mit einem Verlust von 2,2% verhalten blieben.

Dass die Verhandlungen zwischen den USA und China scheitern, erscheint unwahrscheinlich, denn beide Länder möchten jegliche Risiken für ihre Volkswirtschaften vermeiden. Dennoch könnte insbesondere die amerikanische Verhandlungsseite an einer Verlängerung des Konfliktes interessiert sein, um die Meldungen für den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zu instrumentalisieren. So ließ Trump bereits im Februar Fristen verstreichen. Mit einer Stabilisierung volkswirtschaftlicher Daten in den letzten Tagen und Wochen, scheinen die Einsätze im Verhandlungspoker erhöht zu werden.  Auf kurze Sicht ist an den Aktienmärkten mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen – zumindest solange unklar ist, wie sich Trumps Twitter-Botschaften auf die Verhandlungen auswirken wird. 

Wir bleiben bei unserer Empfehlung, Aktien neutral zu gewichten und empfehlen, die jüngsten Entwicklungen in den Handelsgesprächen nicht zum Anlass für Änderungen des Investmentstrategie zu nehmen. 

Anleihen: Ist die Erholung bedroht?

Die Unsicherheit im Zusammenhang mit den Handelsgesprächen zwischen den USA und China war in der vergangenen Woche auch an den Anleihemärkten das bestimmende Thema. Trump hat mit seinen Twitter-Nachrichten den ohnehin schon hohen Einsatz weiter erhöht und die noch wackelige Erholung der Weltwirtschaft aufs Spiel gesetzt. 

Die Unterstützung der Zentralbanken, die Aussicht auf eine Einigung im Handelsstreit und positive Anzeichen in China hatten an den Märkten seit Anfang des Jahres eine Trendwende befeuert. Die Refinanzierungsbedingungen haben sich deutlich verbessert, weil die Aktienmärkte und die Risikoaufschläge an den Anleihemärkten auf die Niveaus vom September des vergangenen Jahres – vor Beginn der Schwächephase – zurückgekehrt waren. 

Die weltweite Konjunkturdelle Ende 2018 war vermutlich maßgeblich darauf zurückzuführen, dass die Spannungen im globalen Handel 2018 zugenommen und sich zunehmend auf den Konflikt zwischen den USA und China konzentriert haben. Das Geschäftsklima war schlecht, Unternehmen verschoben Investitionen und die Verbraucher drosselten den Konsum. 

Die Federal Reserve (Fed) in den USA erkannte die Risiken für das Wachstum und stoppte ihren Zinserhöhungszyklus, nachdem sie sich bereits wegen der hartnäckig niedrigen Inflation Sorgen gemacht hatte; andere Notenbanken weltweit nahmen sich ein Beispiel daran und prüften eine expansivere Geldpolitik. Die Renditen auf US-Staatsanleihen (Treasuries) liegen jetzt bei 2,5 %, dem Niveau, auf dem die Fed aufhörte, die Zinsen zu erhöhen, während die Renditen auf deutsche Staatsanleihen um die Nullmarke pendeln, was bei den Renditen auf japanische Staatsanleihen schon seit drei Jahren der Fall ist. Die Zentralbanken dürften noch mindestens für den Rest des Jahres an dieser expansiven Geldpolitik festhalten. Damit die Weltwirtschaft den aktuellen Aufwärtszyklus fortsetzen kann, bedarf es aber wohl einer Lösung für die weltweiten Handelsstreitigkeiten. 

Sollten diese überraschend eskalieren, wäre dies ein massiver Rückschlag für die Weltwirtschaft und eine Herausforderung für die Politiker. Anders als im vergangenen Jahr sind sich die Verantwortlichen jetzt aber bewusst, dass sie schnell handeln müssten, um den Schaden zu begrenzen. Da die EZB und die meisten europäischen Regierungen nur wenige Hebel zu Verfügung haben, müsste sich Europa in hohem Maße auf fiskalische und geldpolitische Anreize in China und in den USA verlassen.

Die Risikoaufschläge hatten vor der jüngsten Verschärfung der Handelsspannungen bereits leicht angezogen. Unser konstruktiver Ausblick basiert nach wie vor auf der Annahme, dass die Politiker die Handelsspannungen nicht weiter intensivieren werden, und sei es nur in dem Bestreben, wiedergewählt zu werden oder Kritiker im Inland zu besänftigen. Dies dürfte die Voraussetzungen dafür schaffen, dass sich die ersten Anzeichen der Besserung, die wir bereits sehen, weiter ausbreiten – auch auf Europa, das noch am stärksten unter der jüngsten Schwäche leidet. 

Wir rechnen in den kommenden Monaten mit einer leichten Verbesserung des zugrunde liegenden Trends der Wirtschaftsdaten, die für das zweite Halbjahr ein trendähnliches Wachstum bestätigen, keine Rezession. Vor diesem Hintergrund dürften sich die Risikoaufschläge seitwärts bewegen.. In den Schwellenländern hatten Anleihen in lokalen Währungen in den vergangenen Wochen Mühe, mit ihren Pendants in harten Währungen mitzuhalten, denn letztere erwiesen sich als widerstandsfähiger und entwickelten sich parallel zu globalen Hochzinsanleihen. Wir empfehlen deshalb weiterhin eine Übergewichtung von Schwellenmarktanleihen (in harten Währungen) gegenüber Hochzinsanleihen. …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: ImageFlow / Shutterstock.com

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