Wochenkommentar: Ein fragiler Waffenstillstand

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An diesem Wochenende haben sich US-Präsident Trump und der chinesische Präsident Xi-Jinping bei Verhandlungen auf dem G20-Gipfel in Japan auf einen vorläufigen Waffenstillstand geeinigt. Doch die erzielten Übereinkünfte wirken zerbrechlich.

Gemäß den Vereinbarungen der beiden Präsidenten sollen die Verhandlungen zwischen den beiden Ländern wieder aufgenommen werden. Des Weiteren werden die USA während der Verhandlungen keine weiteren Zollanhebungen durchsetzen. Überraschenderweise dürfen US-Unternehmen wieder mit dem chinesischen IT-Unternehmen Huawei Handel betreiben. 

Zwar entsprachen die Ergebnisse weitgehend unseren Erwartungen, doch die Unsicherheit bleit hoch. So haben wir keine Hinweise erhalten, dass bei den wesentlichen strategischen Fragestellungen, aufgrund derer es im Mai zum Abbruch der Gespräche kam, Fortschritte erzielt werden konnten. Auch ein Fahrplan bzw. Fristen für den weiteren Verhandlungsverlauf wurde nicht bekanntgegeben. Daneben wurden die in den letzten Monaten vorgenommenen Zollerhöhungen nicht wieder rückgängig gemacht und wirken weiter negativ auf das Handelsaufkommen. Die Aufhebung von Handelsbeschränkungen gegenüber dem chinesischen Telekomausrüster Huawei geht in die richtige Richtung, doch bleibt die Unsicherheit nach wie vor sehr groß. So ergänzte Trump, dass dieser "Fall am Ende des Verhandlungsprozesses gelöst werden würde."

Die politische Unsicherheit wird unseres Erachtens hoch bleiben und die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft belasten. Während sich vornehmlich der US-Verbraucher weiter unbeeindruckt zeigt, hat sich das Vertrauen der Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe in den wichtigsten Regionen der Welt seit mehreren Monaten deutlich verschlechtert. Diese Bewegung spiegelt wahrscheinlich die Auswirkungen des Handelskrieges auf den internationalen Handel und letztlich auf die Investitionen der Unternehmen wider. Je länger die Schwäche in Industrie und Handel anhält, desto wahrscheinlicher ist eine negative Beeinflussung auch des Dienstleistungssektors. 

Die Zentralbanken werden in den kommenden Monaten handeln, um eine Rezession zu verhindern. An den Kapitalmärkten festigt sich die Erwartung von drei Zinssenkungen bis Jahresende durch die US-Notenbank. Die Europäische Zentralbank dürfte unterdessen in Kürze die Zinsen senken und bis Ende des Jahres eine neue Runde von Anleihekäufen ankündigen. Schließlich dürften die chinesischen Behörden das Tempo der Konjunkturmaßnahmen erhöhen, wobei die Zentralbank wahrscheinlich ihren Leitzins senken und mehr Liquidität in das Finanzsystem pumpen wird. 

Da eine weitere Eskalation beim G20-Gipfel vermieden wurde, ist die erste Reaktion der Aktienmärkte positiv. Wir erwarten jedoch, dass sich die Aufmerksamkeit der Börse in dieser Woche recht schnell auf die kommenden Konjunkturdaten und Mitte Juli auf die Berichtssaison zu den Unternehmensgewinnen  aus dem zweiten Quartal verlagern wird. 

In unserer Anlagestrategie hat das G20-Treffens keine Richtungsänderung ausgelöst. Wir halten unseren derzeit vorsichtigen Ansatz weiterhin für angemessen und sprechen uns für eine neutrale Aktienquote aus. 

Makro: Geschäftsklima in Deutschland trübt sich ein

Der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juni weiter gefallen. Zwar hat sich die Einschätzung der Befragten zur aktuellen Geschäftslage stabilisiert, doch ging die Erwartungskomponente weiter zurück.

Auf dem aktuellen Niveau signalisiert die Erwartungskomponente des Ifo-Index, dass Deutschlands BIP-Wachstum wieder in den negativen Bereich rutschen könnte, nachdem es sich im ersten Quartal 2019 auf +0,4 % gegenüber dem Vorquartal erholt hatte. Hintergrund dieser Erholung waren eine einmalige wetterbedingte Verbesserung der Aktivität im Baugewerbe und eine deutliche Erholung der Autoverkäufe. Für das zweite Quartal rechnen wir vorläufig mit einem Rückgang von -0,1 bis -0,2 %. In der zweiten Jahreshälfte dürfte das deutsche BIP-Wachstum in der Nähe der Null-Marke verharren.

Die Einzelheiten des Ifo-Berichts zeigen, dass der Abschwung, der Anfang 2018 in der deutschen Fertigungsindustrie begann, inzwischen auch den Dienstleistungssektor erreicht hat. Seit Anfang 2019 hat sich das Geschäftsklima im Dienstleistungsgewerbe merklich eingetrübt. Die Erwartungskomponente des Ifo-Index für Dienstleistungen ist seit Jahresbeginn drastisch zurückgegangen, aber auch der Indikator für das aktuelle Umfeld hat sich deutlich verschlechtert.

Anleihen: Anleger müssen Kreditrisiken akzeptieren

In den vergangenen Wochen haben die Zentralbanken erneut ihre Unterstützung für die Weltkonjunktur signalisiert. Die Fed stellt sich darauf ein, die Zinsen zu senken; die EZB könnte nachziehen und vielleicht auch ihr Anleihekaufprogramm wiederbeleben. Doch die Renditen der Euro-Anleihemärkte sind bereits heute sehr niedrig. Deshalb ist es durchaus problematisch, in diesen „risikofreien“ Märkten Zuflucht zu suchen, denn wenn die Zinsen nicht weiter sinken, stehen garantierte Verluste bevor. 

Aus diesem Grund greifen die meisten Renteninvestoren zu riskanteren Anleihen, zum Beispiel Unternehmensanleihen oder Staatsanleihen der Peripherieländer, die immer noch winzige positive Renditen erwirtschaften, bei denen allerdings das Risiko einer starken Verkaufswelle droht, wenn die Märkte das Vertrauen verlieren. Jetzt riskantere Anleihen zu kaufen bedingt den Glauben, dass es den Zentralbanken einmal mehr gelingt, die Anleiheinvestoren vor Verlusten zu schützen.

Aktien: Meldungen aus dem Unternehmenssektor

Von Unternehmensseite gab es in der vergangenen Woche relativ viele Neuigkeiten …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: Toa55 / Shutterstock.com

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