Wochenkommentar: Alle Augen auf G20 und Fed gerichtet

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Die Aktienmärkte erlebten eine positive Woche mit moderaten Kurssteigerungen: rund 2 % beim S&P 500 und beim EuroStoxx 600. Dieser Anstieg kam zustande, als die US-Fed Zinssenkungen in Aussicht stellte und positive Nachrichten zu einer möglichen Handelsvereinbarung zwischen den USA und China aufkamen. In einem volatilen Umfeld favorisieren wir weiterhin eine neutrale Haltung gegenüber Aktien.

Zu Beginn der vergangenen Woche sorgte Optimismus im Hinblick auf Fortschritte bei den Handelsgesprächen zwischen den USA und China – auch bei Themen wie Schutz von geistigem Eigentum, Agrarkäufe und Währungspolitik – für steigende Aktienkurse. US-Präsident Donald Trump deutete an, es werde in dieser Woche beim G20-Gipfel in Japan ein längeres Treffen mit Chinas Präsidenten Xi Jinping geben. Sollte es im Handelsstreit zu einer Lösung kommen, würden die Märkte aufatmen. US-Handelsminister Wilbur Ross sagte hingegen, das Treffen werde vermutlich nicht sofort eine Handelsvereinbarung bringen, weil die Verhandlungspartner in einigen Punkten sehr weit auseinander lägen. 

Ende der Woche richtete sich die gesamte Aufmerksamkeit auf die US-Fed. Vergangene Woche ließ die EZB die Zinsen unverändert. Fed-Vorsitzender Jerome Powell sagte aber, eine Leitzinssenkung könne in naher Zukunft wahrscheinlich sein, um die Konjunktur am Laufen zu halten. Zusätzlich zu einer lockereren Geldpolitik hat Powell seinen eigenen Aussagen zufolge die Absicht, seine 4-jährige Amtszeit voll zu erfüllen. Mit dieser Aussage reagierte er auf eine Reihe von negativen Aussagen über ihn von US-Präsident Donald Trump. Powells Absicht, im Amt zu bleiben, wird von der US-Gesetzeslage gestützt und unterstreicht die Unabhängigkeit der Fed.

EZB-Präsident Mario Draghi signalisierte am Dienstag, dass weitere geldpolitische Anreize erforderlich sein werden, wenn sich der Ausblick für Wachstum und Inflation in der Eurozone nicht verbessert. Er nannte explizit Zinssenkungen als erstes Mittel der Wahl. Darüber hinaus sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos, ein weiteres Anleihekaufprogramm könne eine sinnvolle Option sein, wenn die Inflation in der Eurozone nicht die Zielmarke erreiche. 

Wir gehen inzwischen davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen senkt, und zwar zusätzlich zum geldpolitischen Anreiz in Form eines neuerlichen Anleihekaufprogramms zur quantitativen Lockerung. 

Wir rechnen damit, dass die EZB im September alle wichtigen Leitzinsen um 10 Basispunkte senkt und im ersten Quartal 2020 eine weitere Senkung um 10 Basispunkte folgen lässt. Dadurch würde der Einlagensatz der EZB auf -0,6 % sinken, und auch der Refinanzierungssatz läge erstmals im negativen Bereich. Der Einlagensatz der EZB ist in unseren Augen der wichtigste Leitzins, denn er bildet in einem Umfeld mit überschüssiger Liquidität die Grundlage für die Interbankenzinsen.

Anleihen: Zentralbank-Rhapsodie

Es scheint immer das Gleiche zu sein. Wenn US-Präsident Donald Trump mit martialischen Handelskriegs-Tweets an den Märkten Unruhe und fallende Kurse auslöst, versuchen die Zentralbanken, den Schaden bestmöglich zu begrenzen und die Märkte davon zu überzeugen, dass die Geldpolitik das Wachstum unterstützt. 

Der expansive Grundton der Zentralbanken hat die Renditen auf Staatsanleihen weiter nach unten gedrückt. Bei zehnjährigen US-Staatsanleihen (Treasuries) fiel der Zins auf 199 Basispunkte und damit auf den niedrigsten Stand seit 2016. In Europa erreichten zehnjährige Bundesanleihen bei -32 Basispunkten ein neues Allzeittief. Die Renditen auf Italiens zehnjährige Staatsanleihen entwickelten sich besser als die anderer europäischer Staatsanleihen: Sie kehrten zum ersten Mal seit der Italien-Wahl wieder auf 205 Basispunkte zurück. Französische Staatsanleihen fielen erstmals in ihrer Geschichte unter Null.

Bei den nicht staatlichen Emittenten lösten Draghis expansive Kommentare eine Rallye an den europäischen Kreditmärkten aus. Powells Aussagen dürfte risikobehaftete Vermögenswerte unterstützen und den Rendite-Appetit der Investoren anregen. Im Hochzinsbereich waren die Renditen in Erwartung einer expansiven Grundhaltung der Notenbanken im Juni schon gesunken. Der US-Markt fiel um 50 Basispunkte, der europäische um 35. Dabei beschränkte sich der Rückgang der Risikoaufschläge auf Doppel-B- und einfache B-Ratings. CCC-Ratings verzeichneten steigende Risikoaufschläge, was erkennen lässt, dass die Investoren vorsichtiger sind als zu Beginn des Jahres.

In einem Umfeld mit fallenden Zinsen rechnen wir innerhalb einer Strategie mit hochwertigen Rententiteln damit, dass Anleihen mit längeren Laufzeiten sich besser entwickeln können als solche mit kürzeren. Bei einer Strategie, die auf hohe Wertsteigerungen setzt, geben wir Schwellenländeranleihen den Vorzug vor Hochzinstiteln. Die expansive Ausrichtung der Fed kommt Schwellenländeranleihen zugute. Diese Positionierung könnte sogar noch weitere Unterstützung bekommen, wenn der US-Dollar abwertet. Hochzinsanleihen halten wir nach wie vor für teuer, und das Potenzial ist unserer Einschätzung nach mittelfristig begrenzt, sowohl bei auf EUR lautenden Titeln als auch bei USD-abgesicherten Anleihen.  …

Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.


Foto: shutterstock.com / mdgn

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